Wirtschaft : BMW baut Motoren für US-Polizeiautos

Thomas Magenheim
Diesel und Sirene. Das Projekt E7. Foto: dpa
Diesel und Sirene. Das Projekt E7. Foto: dpaFoto: dpa

München - BMW macht ein Milliardengeschäft – und amerikanische Autofahrer erleben etwas Neues. Der deutsche Autohersteller baut künftig Dieselmotoren für Polizeiautos in den USA, wo dieser Antrieb bisher eine Nebenrolle spielen (siehe Kasten). Am Montag unterzeichnete BMW in Washington einen Vertrag mit dem US-Spezialfahrzeug-Hersteller Carbon Motors, der die Lieferung von mehr als 240 000 Dieselmotoren vorsieht. Gebaut werden die Aggregate im Motorenwerk Steyr in Österreich. Das Auftragsvolumen liege im Milliarden- Euro-Bereich, sagte ein Sprecher.

BMW-Vorstand Ian Robertson nannte den Vertrag einen Meilenstein. „Wir tragen unseren Teil dazu bei, Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxidausstoß von Behördenfahrzeugen um bis zu 40 Prozent zu senken“, sagte er. Das Lieferabkommen umfasst außer Motoren auch Automatikgetriebe, Kühl- und Abgassysteme. Noch hat der von großen Herstellern unabhängige Newcomer Carbon Motors kein Auto auf der Straße. In drei Jahren sollen die ersten von BMW angetriebenen Polizeiautos Streife fahren. Der Liefervertrag erstreckt sich über den Modellzyklus von etwa sieben Jahren. Die Initiative für die Zusammenarbeit ging von Carbon Motors aus.

Hintergrund ist ein Gesetz der Obama- Regierung, das Behördenfahrzeugen bis 2019 eine Verbrauchsreduzierung von 28 Prozent vorschreibt. Mit den BMW-Motoren sei dies erreichbar, glauben BMW und Carbon Motors. Während der jüngsten Hochpreisphase für Benzin haben viele US-Polizeistationen ihren Bediensteten eine Meilenbeschränkung für Dienstfahrten auferlegt, um Kosten zu senken. US- Polizeiautos haben traditionell großvolumige Benzinmotoren. Unter den konventionellen Antrieben ist die Diesel-Variante die spritsparendste, was nun auf Behördenebene einen Tabubruch auslöst.

„Wir hoffen auf Abstrahleffekte“, heißt es bei BMW. Wenn künftig Polizeiautos mit Dieselmotor an Benzin-Pkw vorbeizögen, solle das auch US-Normalverbraucher animieren, dem Diesel größere Aufmerksamkeit zu schenken. Mehr als 241 000 Autos hat BMW 2009 in den USA verkauft, davon nur 6238 mit Dieselmotor. In Europa beträgt der Diesel-Anteil bei BMW 63 Prozent. Aber die USA holen bei einzelnen Modellen auf: Jeder dritte verkaufte Geländewagen X5 sei bereits ein Diesel, sagte Robertson.

Das Geschäft mit Carbon Motors passe in die neue BMW-Strategie, das Drittkundengeschäft mit Motoren auszubauen, um sich neue Erlösquellen zu erschließen und die Stückzahlen zu erhöhen. BMW plane weitere Verträge dieser Art. Tabu sei nur das Beliefern direkter Konkurrenten aus dem Premiumbereich, heißt es. Bei Massenherstellern habe BMW keine Berührungsängste; genauer wolle man sich derzeit dazu nicht äußern. Erinnert wird aber an die Zeit, als BMW Opel mit Motoren versorgte. Thomas Magenheim

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