Wirtschaft : BMW-Chef erwartet Preiskrieg

SUSANNE PREUSS

STUTTGART .Die Autopreise in Deutschland werden ins Rutschen geraten.Nach Einschätzung des BMW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder wird es durch die Asienkrise "zu einem stark eskalierenden Preiskampf kommen müssen".Allein in den letzten drei Monaten sei der Automarkt in Japan um 25 Prozent geschrumpft, daher sei ein erheblicher Exportdruck der japanischen Hersteller zu erwarten; in einzelnen Segmenten sei er bereits zu beobachten, erläuterte der BMW-Chef vor dem Stuttgarter Wirtschaftspresse-Club.Die Japaner stellten zwar keine massive Konkurrenz für die BMW-Modellplette dar, meint Pischetsrieder, dennoch sei der bayerische Autohersteller von Preiskämpfen mittelbar betroffen.Ohnehin gingen seit 1993 die durchschnittlichen Ausgaben für einen Neuwagen in Deutschland kontinuierlich zurück.

BMW werde auch 1999 wachsen - entgegen dem prognostizierten weltweiten Abwärtstrend in der Autobranche.Das erwartet Pischetsrieder aufgrund der vorhandenen Auftragsbestände und der guten Nachfrage für den in diesem Jahr eingeführten 3er BMW.1998 sei für die Marke BMW "mit deutlichem Abstand das beste Jahr, das wir jemals hatten".Große Hoffnungen setzt Pischetsrieder offenbar in den "X5", ein stark motorisiertes Auto (2,8 und 4-Liter), das wie ein Geländewagen aussieht, aber mit PKW-Technik ausgestattet ist.Für dieses Segment gebe es keinen Wettbewerber.Gebaut werden soll der "X5" in dem amerikanischen Werk in Spartanburg.Durch Investitionen von 500 Mill.Dollar in den vergangenen zweieinhalb Jahren werde die dortige Produktionskapazität von 50 000 auf 100 000 Wagen jährlich erhöht.Im kommenden Jahr würden dort mehr als 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen.Der "X5" mit Sechs- oder Achtzylindermotor werde erstmals im Januar auf der Automesse in Detroit gezeigt und 1999 auf den US-Markt kommen; die Einführung in Deutschland sei für das Jahr 2000 geplant.

Massive Schwierigkeiten hat der bayerische Autohersteller dagegen mit der Tochter Rover, die in Japan sowie in Großbritannien erhebliche Verluste einfährt.Mit der Vereinbarung eines flexiblen Arbeitszeitmodells in den letzten Tagen seien die Probleme noch nicht gelöst, es müsse noch Personal abgebaut werden.Nachdem Anfang diesen Jahres Rover noch 40 000 Beschäftigte hatte, sollen es Ende 1999 nur noch 35 000 sein.Da die Belegschaft von Rover überaltert gewesen sei, werde mit dem Personalabbau zugleich die Alters- und die Qualifikationsstruktur verbessert, erläuterte der BMW-Chef.Die Vorsorge für den Personalabbau werde das Ergebnis erheblich belasten.Negativ zu Buche schlage zudem der Preisrutsch bei Gebrauchtwagen in Großbritannien, wo zwei Drittel des Marktes vom Leasinggeschäft abhängen, für das die erzielbaren Wiederverkaufspreise von erheblicher Bedeutung sind.

Besonders zu schaffen macht Rover - angesichts eines Exportanteils von 60 Prozent - der hohe Pfundkurs.Jeder Pfennig Veränderung koste Rover acht Mill.Pfund, so Pischetsrieder.Und: "Als ich gesagt habe, Rover sei im Jahr 2000 in den schwarzen Zahlen, war der Pfund-Kurs bei 2,40 DM.Jetzt ist er bei 2,90 DM." Der BMW-Chef räumte auch Fehler bei der Integration von Rover in den Konzern ein.Man sei vielleicht etwas zu vorsichtig gewesen.Jetzt werde man die britische Tochter etwas stärker an die Kandare nehmen und vor allem zusätzliche Mitarbeiter aus Bayern entsenden."In der konzernweiten Betrachtung ist alles halb so schlimm", sagte Pischetsrieder in Stuttgart.Er sei zufrieden damit, daß BMW nach wie vor eine "schöne Braut für alle" sei.Ausdrücklich dementierte Pitschetsrieder jedoch Gerüchte, wonach BMW in Verhandlungen mit Ford oder mit Fiat stünde.

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