Wirtschaft : BMW-Chef Milberg tritt zurück

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Völlig überraschend hat BMW-Vorstandschef Joachim Milberg seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Helmut Panke, teilte das Unternehmen in München nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Der 55-jährige löst Milberg zur Hauptversammlung Mitte Mai 2002 an der Spitze des Konzerns ab.

Milberg, der noch einen Vertrag bis Anfang 2003 hatte, scheide auf eigenen Wunsch aus und soll in das Aufsichtsgremium wechseln. Als Grund für diesen Schritt nannte das Unternehmen seine angegriffene Gesundheit und sein Alter: für BMW-Vorstände gilt eine Altersgrenze von 60 Jahren. Die hätte der 58-jährige Milberg zwar erst im April 2003 erreicht - dann wäre sein Nachfolger Panke aber schon 57 Jahre alt gewesen. Und das hääte ihm nur noch drei Jahre an der BMW-Spitze erlaubt. Zu wenig Zeit für einen Vorstandschef, hieß es in München.

Zudem habe sich BMW eine Nachfolgedebatte nach dem Vorbild von Volkswagen ersparen wollen und auch darum eine rasche Lösung präsentiert. "Wir wollten nicht über lange Zeit mit einer lahmen Ente unterwegs sein," sagte ein Insider mit Blick auf den scheidenden VW-Chef Ferdinand Piëch. Der hatte vor kurzem bedauert, dass ein Konzernlenker drastisch an Macht verliere, sobald - wie in seinem Fall mit dem ehemaligen BMW-Chef Bernd Pischetsrieder - ein Nachfolger feststehe. Dennoch rief die Entscheidung Milbergs auch BMW-intern große Überraschung hervor. Nur engste Mitarbeiter waren offenbar eingeweiht.

Milberg wurde schon lange von Bandscheibenproblemen geplagt. Schon 2000 musste er sich deshalb einer Operation unterziehen und konnte teilweise nur mit Schmerzmitteln wichtige Termine wahrnehmen. "Er hat weiter dauerhafte Schmerzen," berichtet ein Weggefährte.

"Die persönliche Entscheidung von Professor Milberg fällt in eine Zeit, in der die Neuausrichtung des Konzerns mit Erfolg umgesetzt ist," kommentierte der BMW-Aufsichtsratschef Volker Doppelfeld dessen Rücktrittsentschluss. Unter Milberg erlebe der weiß-blaue Traditionskonzern derzeit die erfolgreichste Periode seiner Unternehmensgeschichte. Für diese außerordentliche Leistung spreche der Aufsichtsrat und der gesamte Konzern dem scheidenden Milberg großen Dank und höchste Anerkennung aus, hieß es in der Mitteilung.

Auf mangelhaften Erfolg dürfte die Ablösung Milbergs tatsächlich nicht zurückzuführen sein. Erst im Februar 1999 hatte der wegen seiner bedachten Art und Lehrtätigkeit an der Technischen Universität "Professor" titulierte Topmanager das Amt des Vorstandschefs bei BMW in äußerst turbulenten Zeiten übernommen. Innerhalb von gut zweieinhalb Jahren konnte er die früher erfolgsverwöhnten Bayern aber aus einem tiefen Tal zu neuen Erfolge führen. Weil sein Vorgänger Pischetsrieder an der Sanierung des britischen Verlustbringers Rover gescheitert war und nach einem ausufernden Streit im Vorstand nicht nur er sondern auch der lange als Nachfolger geltende Wolfgang Reitzle BMW verlassen mussten, kam Milberg zunächst mit dem Makel eines Kompromisskandidaten an die Spitze des Konzerns.

Auch der Produktionsfachmann konnte die marode Tochter Rover nicht mehr retten. Der "Professor" agierte wenig zimperlich: Sowohl die Marke Rover als auch die Geländewagensparte Land Rover wurden abgestoßen. Vom britischen Abenteuer blieb BMW nur der Kleinwagen Mini, dessen Neuauflage seit einiger Zeit in Oxford vom Band rollt. Befreit von der Rover-Last kehrte BMW in der Folge rasch wieder zu alten Erfolgen zurück. Nach knapp 2,5 Milliarden Euro Jahresfehlbetrag im Jahr 1999 steuern die Bayern dieses Jahr auf einen neuen Rekordgewinn in Milliardenhöhe zu. Während die Automobilmärkte global schwächeln, ist die Nachfrage nach BMW ungebremst.

Vor kurzem hat Milberg die Umrisse einer bis 2007 laufenden Konzernplanung vorgestellt, die auf weiterhin starkes Wachstum baut. Sein Nachfolger Panke muss und kann deshalb kaum neue Akzente setzen. Von einem Finanzfachmann wie ihm sind visionäre Strategien wohl ohnehin kaum zu erwarten. Unterschätzen sollte man den in der Öffentlichkeit bisher kaum bekannten Manager aber nicht: Er gilt als energischer Machtmensch.

Der gebürtige Preuße dürfte an der BMW- Spitze ein strenges Regiment führen. Zum Finanzchef wurde er Anfang 1999 bestellt, als wegen der Rover- und nachfolgenden Vorstandskrise gleich mehrere BMW-Vorstände gehen mussten. BMW gehört er seit knapp 20 Jahren an und hat in dieser Zeit von der Unternehmensplanung über das Personalwesen und den Vorsitz von BMW in den USA bis zum Finanzressort alle wichtigen Unternehmensbereiche durchlaufen.

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