Wirtschaft : BMW-Chef verteidigt Flächentarifvertrag Panke: Kaum Anzeichen für bessere Stimmung

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München (dih/hof/jojo/HB) Helmut Panke, Chef des Automobilkonzerns BMW, sieht noch keine bessere Stimmung in Deutschland, nachdem die Parteien die Steuerreform angestoßen und sich auf Änderungen in der Krankenversicherung geeinigt haben. „Gehen Sie doch nur durch die Fußgängerzonen. Da wird sogar noch weniger gekauft als im Vorjahr“, sagte Panke im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dennoch sei er zuversichtlich: „Die Diskussion um die Steuerreform leistet einen wichtigen Beitrag, die psychologischen Barrieren der Kaufzurückhaltung zu überwinden. Das ist auch dringend nötig.“

Der Anfang sei gemacht, sagte Panke. Nun müssten die Reformen umgesetzt werden. Er habe das Gefühl, „dass der Wille da ist, etwas zu tun. Und die Erfolgschancen sind höher als vor drei bis vier Jahren.“ Zur Frage, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen, sagte er: „Seien wir doch pragmatisch. Wenn genügend kleine Schritte in die richtige Richtung gehen, entwickelt das auch Schwung. Einen fundamentalen und abrupten Systemwandel würde ein Großteil der Bevölkerung gar nicht mittragen.“

Die Politik müsse ein Modell für Deutschland im Jahr 2015 entwickeln. Dabei sieht er auch Verbände und Gewerkschaften in der Pflicht. Panke sprach sich für den Fortbestand von Flächentarifverträgen in der Metallindustrie aus. „Flächentarifverträge sind im Sinne von Planbarkeit und Verlässlichkeit der Bedingungen für alle Beteiligten besser als Haustarife.“ Er sei zufrieden, dass „Gespräche über die Wiedereinsetzung des Tarifvertrags für den Osten geführt werden.“

Der jüngste Streik in der ostdeutschen Metallindustrie hatte auch Werke von BMW lahm gelegt, weil keine Teile zugeliefert wurden. Nach dem Ende der Streiks hatte der Konzern ein klares Bekenntnis zum Standort Leipzig abgelegt. In dem neuen Werk sollen 5500 Arbeitsplätze entstehen. BMW profitiert von Flächentarifverträgen, denn andere Unternehmen im Tarifverbund, die weniger gut verdienen als BMW, drücken den Tarif.

„Man darf die Gewerkschaften nicht nur negativ sehen. Wir hatten eine lange Zeit der Stabilität, getragen von funktionierenden Flächentarifverträgen und zuletzt durch den nationalen Konsens für den Aufbau Ost“, sagte Panke. Der jüngste Streik habe allerdings einen Keil in diesen Konsens getrieben.

Weitere Modelle geplant

Für Hersteller von Premiumfahrzeugen sieht Panke auch im konjunkturschwachen Umfeld eine steigende Nachfrage, ebenso im untersten Segment, im Massenmarkt der Volumenhersteller. Den Versuch einiger Hersteller, sich in beiden Bereichen zu etablieren, hält Panke jedoch nicht für erfolgversprechend. „Die Erfahrung zeigt uns, dass das nicht geht“, sagte er. BMW hatte selbst versucht, mit der britischen Marke Rover ins Massengeschäft einzusteigen. Der Versuch scheiterte und BMW trennte sich wieder von Rover. Eine vierte Marke – neben BMW, Mini und Rolls Royce – werde es unter dem Dach von BMW nicht geben, sagte Panke. „Weitere Marken planen wir nicht, aber weitere Modelle. Eine Marke kann auf Dauer nicht nur aus einer Karosserievariante bestehen. Das gilt für den Mini ebenso wie für Rolls Royce.“

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