Wirtschaft : BMW: Der Automobilkonzern investiert 100 Millionen Mark in Berlin

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Angesichts der trotz Branchenflaute hohen Nachfrage nach eigenen Automobilen und Motorrädern baut die BMW AG in ihrem Berliner Werk nochmals rund 100 Stellen auf. Dazu würden binnen zwei Jahren 100 Millionen DM in den Standort investiert, kündigte Motorradchef Marco von Maltzan in Berlin an. Zudem würden 30 weitere Ausbildungsplätze bis 2003 neu geschaffen. In den vergangenen drei Jahren seien im Werk bereits 320 Stellen aufgebaut worden. BMW teilte ferner mit, zur Produktion des neuen Rolls-Royce werde in Südengland die "exklusivste Fabrik der Welt" gebaut. BMW wird die an VW verliehen Rechte für Rolls-Royce von 2003 an wieder selbst nutzen.

In der Berliner Motorrad- und Komponentenfertigung arbeiten derzeit 2150 Personen. In der Motorradsparte wird die Produktion wegen den über Plan liegenden Verkaufszahlen mit acht Zusatzschichten bis Jahresende weiter gesteigert. Mit deutlich mehr als 70 000 Einheiten will BMW den vorjährigen Produktionsrekord von knapp 59 000 Zweirädern zum achten Mal in Folge verbessern. Damit rollen derzeit täglich bis zu 400 Maschinen von den Fließbändern, wobei bis Ende September die Modelle R 1150 GS mit gut 12 400 Neuzulassungen und F 650 GS mit über 10 700 Neuzulassungen zu Rennern geworden sind. Dabei ist es den Münchnern erstmals gelungen, in Deutschland mit Kawasaki einen der vier bislang unangefochten dominierenden Motorradbauer aus Japan zu verdrängen.

Bereits zum Halbjahr hatte BMW bei Zweirädern den heimischen Marktanteil von 11,3 auf 13,8 Prozent verbessert und sich damit hinter Honda, Yamaha und Suzuki auf Rang vier vorgeschoben. BMW hat dabei auch von der Verteuerung japanischer Importprodukte in Folge der anhaltenden Euro-Schwäche profitiert. Bei schweren Maschinen über 750 Kubikzentimeter Hubraum sind die Münchner die Nummer eins in Deutschland. Allgemein waren die Motorradzulassungen in Deutschland zum Halbjahr um ein Zehntel auf knapp 140 000 Maschinen geschrumpft. BMW hat mit Motorrädern im Vorjahr 1,5 Milliarden Mark umgesetzt und 36 Millionen Mark Gewinn verbucht.

Zur Produktion des neuen Rolls-Royce will BMW in Südengland die "exklusivste Fabrik der Welt" bauen. Die unterirdische Anlage werde die Landschaft nur minimal verändern und stiller als ein Supermarkt sein, kündigte BMW am Dienstag in England an. Durch eine Glaswand sollen Interessierte beim Bau der Limousinen zusehen können. "Wir liegen mit allen Aspekten dieses aufregenden Projekts im Zeitplan", sagte der BMW-Chef für Rolls-Royce, Karl-Heinz Kalbfell. In drei Jahren werde das neue Luxusauto auf den Markt kommen und dann mit einer Stückzahl von etwa eintausend pro Jahr produziert werden. Die Fabrik bei Chichester in der Grafschaft West-Sussex werde 350 neue Arbeitsplätze schaffen. Sie reflektiere die "Exklusivität und das Erbe" der englischen Edelmarke. Ganz in der Nähe, in West Wittering, hatte von 1917 bis zu seinem Tod 1933 einer der beiden Gründer, Sir Henry Royce, gelebt. Der Planungsantrag werde im Laufe der nächsten 14 Tage eingereicht, sagte Firmensprecher Fred Fruth in Southampton. "Anders als der Mini wird der Rolls-Royce nicht über das weltweite BMW-Netz vertrieben werden. Wir werden ein unabhängiges Vertriebssystem aufbauen." Philip Hall vom britischen "Club der Rolls-Royce-Enthusiasten" zollte BMW Anerkennung: "Wir waren anfangs skeptisch wegen der Übernahme durch BMW, wie wahrscheinlich 99,9 Prozent der Bevölkerung in diesem Land. Aber wir sind ganz sicher beeindruckt, wie BMW die Sache handhabt."

BMW wird die an Volkswagen verliehenen Rechte für Rolls-Royce von 2003 an wieder selbst nutzen. BMW hatte sich Mitte 1998 als Inhaber der Markenrechte für Rolls-Royce mit dem Volkswagen-Konzern darauf verständigt, dass VW das Rolls-Royce-Geschäft bis Ende 2002 in Lizenz betreibt. Nach eigenen Angaben war VW hauptsächlich an Bentley interessiert.

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