Wirtschaft : BMW enttäuscht die Börse

Autokonzern kündigt umfangreiches Effizienzprogramm, neue Modelle und Umbau des Vorstands an – doch die Aktie fällt

Henrik Mortsiefer

Berlin - BMW hat die hohen Erwartungen des Finanzmarktes an die neue Strategie des Autokonzerns enttäuscht. Die am Donnerstag von Vorstandschef Norbert Reithofer vorgestellte Neuausrichtung brachte die BMW-Aktie am Nachmittag zum Absturz. Aus einem Kursplus von 4,8 Prozent am Morgen wurde am Nachmittag ein deutliches Minus. Die an den Vortagen kräftig gestiegene Aktie schloss 1,5 Prozent schwächer.

BMW hatte seine mit Spannung erwarteten neuen Rentabilitäts- und Wachstumsziele sowie eine Erweiterung der Modellpalette und einen Vorstandsumbau bekannt gegeben. Reithofer kündigte zugleich ein Effizienzprogramm für alle Unternehmensbereiche an. „Damit sollen in den nächsten fünf Jahren Effizienzpotenziale von insgesamt rund sechs Milliarden Euro realisiert werden“, sagte der seit einem Jahr amtierende BMW-Chef nach einer Aufsichtsratssitzung. Mercedes will Ende des Monats sein Programm Core nach zweieinhalb Jahren abschließen, das Einsparungen von 7,1 Milliarden Euro brachte. Zur Enttäuschung der Börse will BMW in den nächsten zwölf Monaten keine Aktien zurückkaufen.

Die neue BMW-Strategie sieht unter anderem eine Steigerung des Absatzes auf mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2012 und mehr als zwei Millionen im Jahr 2020 vor (2006: 1,37 Millionen) vor. Im Motorradgeschäft will BMW die Auslieferungen um 50 Prozent auf 150 000 pro Jahr hochfahren. Ein Großteil der BMW-Motorräder wird im Berliner Werk hergestellt. Insgesamt will BMW den Kapitaleinsatz pro Fahrzeug reduzieren und – auch durch Kooperationen – seine Profitabilität erhöhen. „Wir steuern das Unternehmen künftig noch stärker nach der Kapitalrendite“, sagte Reithofer. Ab 2012 soll eine Rendite von 26 Prozent auf das eingesetzte Kapital und eine Umsatzrendite „in einem Korridor von acht bis zehn Prozent“ erzielt werden. Im vergangenen Jahr lag diese Kennziffer bei nur noch 6,3 Prozent.

Seine Modelloffensive will BMW in den nächsten fünf Jahren fortsetzen. Reithofer kündigte an, 2008 in den USA mit dem Bau des auf der IAA vorgestellten Konzept-Cars X6 zu beginnen. Die Kapazität im US-Werk in Spartanburg soll im kommenden Jahr von heute 140 000 auf mehr als 150 000 Einheiten ausgebaut werden; bis 2012 sollen dort 240 000 Autos produziert werden. BMW will sich damit unabhängiger von Wechselkursschwankungen machen. Neu geplant sind außerdem ein geländegängiger X1 als kleiner Bruder der erfolgreichen X3 und X5 und eine viertürige sportliche Reise-Limousine (Gran Turismo). Zudem kündigte BMW als neue Fahrzeuggattung ein limousinenähnliches Auto mit hoher Funktionalität an („Progressive Activity Sedan“). Dafür wird auf das Projekt Van überraschend verzichtet.

Bei der Neuaufstellung wird auch der Vorstand umgebaut. Finanzchef Stefan Krause und Vertriebsvorstand Michael Ganal tauschen ihre Posten. Zudem werden zwei Vorstandsressorts neu geschaffen: Konzern- und Markenentwicklung sowie Einkauf und Lieferantennetzwerk.

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