Wirtschaft : BMW habe nur mit einem Alternativstandort in Ungarn gedroht, um Staatszuschüsse zu erhalten

tmh

Die EU-Kommission macht Ernst mit der Überprüfung geplanter Staatsbeihilfen für die britische BMW- Tochter Rover. Wie Kommissionskreise in Brüssel bestätigten, werde ein formelles Prüfverfahren für die 455 Millionen Mark Zuschuss eingeleitet, die die britische Regierung den Münchner Autobauern für die Modernisierung des Rover-Hauptwerks Longbridge gewähren will. Die Brüsseler Kommissare vermuten, dass die Bayerische Motoren Werke (BMW) AG nur pro forma mit einem Alternativstandort in Ungarn gedroht habe, um die Staatszuschüsse zu erhalten.

Das BMW-Management reagierte auf den Entscheid, der sich schon seit einiger Zeit angekündigt hatte, offiziell nicht beunruhigt. Die Münchner planen aber mit einer schnellen Prüfung, deutlich unter der rechtlichen Maximalfrist von eineinhalb Jahren. Eine direkte Auswirkung auf Longbridge mit seinen zuletzt rund 9000 Mitarbeitern habe die Ankündigung aus Brüssel nicht, sagte ein BMW-Sprecher. Britischen Angaben zu Folge hängen weitere rund 50 000 Arbeitsplätze an Zulieferern in der Region um Birmingham. Ohne staatliche Beihilfen drohe die Schließung des Werks, hatte BMW noch im Sommer angesichts eskalierender Rover- Verluste gewarnt. Wie im Vorjahr steht die britische Tochter 1999 vor einem Verlust von knapp zwei Milliarden Mark, hatte BMW-Chef Joachim Milberg zuletzt befürchtet. Inklusive der Staatshilfen will BMW bis 2005 weitere rund zehn Milliarden DM zur Sanierung ihrer britischen Standorte aufwenden und Rover damit ab 2002 in die Gewinnzone führen. Im Falle eines Einspruchs aus Brüssel wäre die Zukunft von Rover mehr als unklar. Experten vergleichen den Fall mit der sogenannten "gläsernen Fabrik" des Konkurrenten Volkswagen in Dresden. VW macht dafür einen Staatszuschuss von knapp 200 Millionen Mark geltend, weil auch in Prag gebaut werden könnte. Nach EU-Recht sind Zuschüsse innerhalb der Gemeinschaft nur möglich, wenn außerhalb der EU glaubhaft ein entsprechend günstigerer Alternativstandort benannt werden kann. Schon jetzt steht das Schicksal von Rover, wo BMW bereits 6,5 Milliarden Mark investiert hat, auf der Kippe. Bis Ende September waren die Briten fast ungebremst auf Talfahrt und mussten einen weiteren 30- prozentigen Absatzeinbruch hinnehmen. Allerdings war der Marktanteil von Rover auf der Insel dabei wieder von 3,4 auf 5,8 Prozent gestiegen.

Kenner der britischen Verhältnisse sprechen jedoch weiter von anhaltenden Qualitätsproblemen in den britischen Rover-Werken. BMW selbst trat zuletzt Vermutungen entgegen, der Absatz des neuesten und ersten unter BMW-Ägide entwickelten Rover-Modells R 75 hinke hinter den Erwartungen her. Auch aktuell liege der Absatz auf Plan. Im Werk Longbridge soll künftig der Nachfolger der jetzigen Modelle R 200 und R 400 gebaut werden. Ab 2003 soll er vom Band rollen und für eine runderneuerte Modellpalette sorgen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar