Wirtschaft : BMW hält nichts von Arbeitszeitverlängerung

Die Münchner Autobauer haben 300 verschiedene Arbeitszeitmodelle – das reicht, findet der Vorstand

Nicole Adolph

München - Die Diskussionen über die Verlängerung der Arbeitszeit in Deutschland lassen den Autobauer BMW kalt. „Wir haben das Thema Arbeitszeit gut im Griff, weil wir in der Lage sind, flexibel auf die Situation am Automobilmarkt zu reagieren", sagte Personalvorstand Ernst Baumann dem Tagesspiegel am Donnerstagabend in München. Bei BMW gebe es fast 300 verschiedene Arbeitszeitmodelle.

Eine generelle Verlängerung der Wochen-Arbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich bringe daher keinerlei Vorteile. Entscheidend aus BMW-Sicht sind nicht allein die reinen Arbeitskosten. Wichtig sei die Entkopplung der Maschinenlaufzeiten von den individuellen Arbeitszeiten, sagte Baumann. Ziel sind möglichst lange Laufzeiten bei möglichst wenigen Mehrarbeitszuschlägen.

Einen Durchbruch für flexible Arbeitszeitregelungen erzielte BMW schon Mitte der 80er-Jahre mit der Eröffnung des Regensburger Werks. Waren damals in der Branche Laufzeiten von wöchentlich 80 Stunden üblich, waren es in Regensburg bei BMW von Beginn an 99 Stunden. Im neuen Leipziger Werk werden es sogar bis zu 140 Stunden sein.

Ein Konzernsprecher bezeichnete den Standort Leipzig, wo BMW im kommenden Jahr ein Werk eröffnet, trotz eines Lohnkostennachteils von bis zu 25 Prozent gegenüber einem Alternativstandort in Tschechien als „gute Wahl“.

Die Diskussion bei Mercedes verfolge man dennoch mit Interesse. Baumann wies darauf hin, dass die Zahl der Mitarbeiter im Inland weiter gestiegen ist. Im ersten Halbjahr habe BMW 965 Mitarbeiter eingestellt und habe nun knapp 80000 Beschäftigte in Deutschland. Weltweit wurden mehr als 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen. „Wir müssen alle Ansätze, Deutschland im internationalen Wettbewerb als Produktionsstandort zu stärken, unterstützen“, sagte Vorstandschef Helmut Panke. Deutschland dürfe nicht auf eine reine Dienstleistungsgesellschaft, in der es keine Produktion mehr gebe, zurückgestutzt werden.

Die Automobilkonjunktur gibt Panke zufolge keinen Anlass, Änderungen bei der Arbeitszeit-Regelung vorzunehmen. „Von einer Krise der deutschen Automobilindustrie kann nicht die Rede sein, auch wenn sie der europäischen Entwicklung im Moment hinterher hinkt“, sagte er. Panke wies darauf hin, dass der Export gut laufe.

Allein rund 200 Arbeitsplätze will BMW in seinem „Erlebniszentrum“ schaffen, für das am Freitag in der Nachbarschaft zum Münchener Hauptsitz des Konzerns der Grundstein gelegt wurde. Es soll der „Autostadt“ von Volkswagen in Wolfsburg Konkurrenz machen. BMW erwartet jährlich rund 850000 Besucher. Tausende BMW-Kunden sollen dort auch ihr Neufahrzeug abholen können. Investiert hat BMW nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro.

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