Wirtschaft : BMW: Leipzig siegt im Standortwettbewerb

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Die BMW AG baut ihr neues Werk in Leipzig wegen der guten Verkehrsanbindung, der Einbindung in den bayerischen BMW-Werksverbund, großer Planungssicherheit und der Fördermittel. "Hier sehen wir den Standort mit der besten Perspektive," sagte Konzernchef Joachim Milberg. Insgesamt investiere BMW zwei Milliarden Mark in das Werk. Die von der EU erlaubte Förderquote beträgt nach BMW-Angaben 28 bis 35 Prozent der Investitionssumme.

Die neue Fabrik, in der ab 2005 die 3er-Reihe in Serie vom Band rollen soll, bringt der Region Leipzig/Halle kapp 11 000 neue Arbeitsplätze, davon je die Hälfte bei BMW und Zulieferern, sagte Milberg am Mittwoch in München. Eingestellt und in bayerischen Werken ausgebildet werde ab sofort, Baubeginn in Leipzig sei im kommenden Jahr. Leipzig habe sich gegen mehr als 250 Städte und Regionen aus ganz Europa durchgesetzt. Auch die vier härtesten Konkurrenten Kolin in der tschechischen Republik, Arras in Frankreich sowie die deutschen Standorte Schwerin und Augsburg hätten alle Kritierien für eine Ansiedlung erfüllt. Die Entscheidung sei deshalb nicht leicht gefallen.

Die bayerische IG Metall sprach nach dem monatelangen Auswahlprozess von einem "Herzschlagfinale" zugunsten Leipzigs und begrüßte die Standortentscheidung durch ihren Bezirkschef und BMW-Aufsichtsrat Werner Neugebauer als industriepolitisches Zeichen. Jetzt sei auch klar, dass nicht nur niedrigste Lohnkosten eine profitable Autoproduktion ermöglichen. BMW produziere in Leipzig auf Basis des Flächentarifvertrags, bestätigte Milberg. Dringend benötigt werde die dortige Fabrik wegen der jüngst begonnenen Markt- und Produktoffensive, die in ihrer Dimension auch für BMW neu sei. Dafür brauche man neue Kapazitäten.

Vor allem bringen die Bayern 2004 mit der kleinen 1er-Reihe ein neues Modell auf den Markt. Dieser bislang kleinste BMW soll im Regensburger Werk produziert werden. Die dort heute gefertigte 3er-Reihe wandert Ende 2004 nach Leipzig ab, wo täglich 650 Autos dieses Typs gebaut werden sollen. Der im Norden der Stadt, nahe der Leipziger Messe gelegene Standort, sei mit 200 Hektar ausreichend groß, preisgünstig und verfüge über eine erstklassige Anbindung an Autobahn, Flughafen und Schienennetz, sagte Milberg. Das Werk liegt direkt an der Autobahn A 14 Halle - Dresden. Am nahen Schkeuditzer Autobahnkreuz geht es Richtung Norden und nach dem 440 Kilometer entfernten München. Manager können den nahen gelegenen Flughafen nutzen. In unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Werks liegt auch ein Güterverkehrszentrum mit einem Umschlagbahnhof der Bahn. Hier können täglich 500 Container auf die Schiene verladen werden und Autozüge für den Auslandsexport zu norddeutschen Häfen fahren. Milberg zufolge bietet die Region mit einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent genügend Fachpersonal, ferner sei ein rascher Werksbau gewährleistet. BMW könne dort auch auf bestehende Zulieferbetriebe um Leipzig und eigene Betriebe in Bayern zurückgreifen. In der Nähe baut seit einigen Monaten auch Porsche ein Montagewerk für seinen neuen Geländewagen "Cayenne".

Alles in allem erreiche BMW in Leipzig einen schnellen Produktionsanlauf und eine optimale Kalkulierbarkeit des gesamten Anlaufprozesses, sagte Milberg. Letzteres war den Münchnern nach den desaströsen Erfahrungen mit Rover in Großbritannien offenbar besonders wichtig. Außerdem ist in Ostdeutschland dem Vernehmen nach eine im Ausland unerreichbare Flexibilisierung der Arbeitszeit möglich. Schnelligkeit ist ein wichtiges Argument, weil BMW derzeit fast an der Kapazitätsgrenze produziert. Dieses Jahr steuern die Münchner trotz schwacher Kfz-Märkte auf einen Produktionsrekord von gut 900 000 Autos zu. Das Personal wurde deshalb im Inland jüngst nochmals um 2000 auf 71 000 Mitarbeiter erweitert.

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