BMW : Reithofers Risiko

BMW setzt sich nach dem Rekordjahr 2012 bescheidenere Ziele. Neue Werke und Modelle kosten Geld - und mit der Markteinführung des Elektroautos i3 probt der Konzern die Revolution im Autobau.

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Ein großes Rad. BMW-Chef Norbert Reithofer verfolgt ambitionierte Ziele. Der Hersteller bricht ins elektromobile Geschäft auf.
Ein großes Rad. BMW-Chef Norbert Reithofer verfolgt ambitionierte Ziele. Der Hersteller bricht ins elektromobile Geschäft auf.Foto: dpa

Berlin - BMW ist in ein spannendes Jahr gestartet. Nachdem Umsatz, Absatz und Gewinn 2012 auf Rekordwerte gestiegen sind und der Autohersteller in allen seinen Werken Sonderschichten fährt, müssen 2013 milliardenschwere Investitionen in neue Werke, Modelle und Technologien bewältigt werden. Vor allem die Markteinführung des Elektroautos i3 Ende des Jahres sorgt in München für Hochspannung. BMW hat viel Geld in das batteriebetriebene Fahrzeug investiert, die neue „i-Klasse“ wird als Revolution im Autobau verkauft. Für BMW ist das Projekt ein unternehmerisches Risiko mit offenem Ausgang.

Wegen hoher Aufwendungen und der unsicheren Lage auf dem europäischen Markt fällt die Gewinnprognose für 2013 – ähnlich wie bei Audi und Mercedes – vorsichtig aus: Das Konzernergebnis vor Steuern werde 2013 „in der Größenordnung des Jahres 2012“ liegen, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer am Dienstag in München. Im vergangenen Jahr fuhr BMW einen Gewinn vor Steuern von 7,8 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich verdiente der Konzern 5,1 Milliarden Euro (plus vier Prozent) und kam auf eine Umsatzrendite im Kerngeschäft von 10,9 Prozent. Reithofer fügte hinzu: „Wir wollen unseren Absatz im laufenden Jahr erneut steigern und damit eine neue Bestmarke bei den Auslieferungen erreichen.“ 2012 hatte BMW (inklusive Mini und Rolls- Royce) 1,845 Fahrzeuge verkauft – elf Prozent mehr. Der Umsatz kletterte um 11,7 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro.

Um die Marke von zwei Millionen Fahrzeugen zu erreichen, die BMW 2016 verkaufen will, braucht das Unternehmen neue Werke. Derzeit laufen die Fabriken mit einer Auslastung von 120 Prozent am Limit. „Wir bauen jedes Auto, das wir bauen können“, sagte Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt. Die Expansion findet aber außerhalb Europas statt. „Die Produktion folgt dem Wachstum“, sagte Arndt. Die Planungen für das neue Werk in Brasilien seien abgeschlossen, die Verhandlungen in Russland liefen. Auch in China baut BMW aus – allerdings mit größerer Vorsicht. „Wir gehen für das laufende Jahr von einer hohen einstelligen Zuwachsrate aus“, sagte Vertriebschef Ian Robertson. Steigerungsraten von 40 Prozent gehörten der Vergangenheit an.

Hoffnungen setzt BMW auf sein E-Auto i3, das als Null-Emissions-Fahrzeug den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der BMW-Flotte insgesamt senken soll. BMW wird das Auto, das um die 40 000 Euro kosten dürfte, mit großem Werbeaufwand in den kommenden Monaten vermarkten. Nach eigenen Angaben ist das Interesse möglicher Käufer bereits groß. Details verriet BMW nicht. Ohne Elektroautos im Programm werde man die strengen Klimavorschriften der EU ab 2020 nicht einhalten können, sagte Reithofer. Die Erweiterung der Modellpalette sei „ein absolutes Muss und nicht optional“. Bis 2020 muss BMW bei seinen in Europa verkauften Neuwagen einen durchschnittlichen CO2- Wert von 99 Gramm pro Kilometer erreichen – aktuell sind es 146 Gramm. „Allein der i3 wird aber nicht reichen“, sagte Reithofer. Auch die Modelle mit Verbrennungsmotor müssten effizienter werden. Werte von 105 bis 100 Gramm seien zum Beispiel auch für die 5er-Modelle nötig.

Die Elektrifizierung findet auch bei den BMW-Motorrädern statt. 2014 kommt der Elektroscooter C Evolution auf den Markt. Gebaut wird er im Berliner Werk. In Spandau hat BMW gerade seine Werksfläche durch den Zukauf eines 39 000 Quadratmeter großen angrenzenden Grundstücks erweitert. Das Gelände kann von Ende 2013 an genutzt werden. 2012 hatte das Segment Motorräder mit mehr als 117 000 verkauften Zweirädern (plus 3,1 Prozent) einen Bestwert beim Absatz erzielt – in einem schrumpfenden Markt. Ein kostspieliger Fehlschlag war hingegen der Kauf der schwedischen Motorradmarke Husqvarna, die BMW inzwischen an KTM abgab. Finanzchef Friedrich Eichiner räumte ein, der Ausflug in das Geschäft mit Geländemaschinen habe etwa eine halbe Milliarde Euro gekostet.

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