Wirtschaft : BMW schaltet bei Tochter Rover einen Gang zurück

MÜNCHEN (tmh).Die Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, München, streicht bei ihrer britischen Tochter Rover mindestens 1500 Stellen.Als wesentlichen Grund dafür nannte ein Sprecher in München den anhaltenden Höhenflug des britischen Pfundes, der die Exporte und Erträge von Rover belaste.Es gebe bei der Tochter aber auch allgemeinen Restrukturierungsbedarf.An dem Ziel, bei Rover bis zum Jahr 2000 auch nach Steuern Gewinne einzufahren, halte BMW fest.Ob die zuletzt sinkenden Rover-Defizite von 1997 noch 260 Mill.DM in diesem Jahr verringert werden können, wollen die Münchner Autobauer nicht abschätzen.Der jetzige Abbau belaste die Profite nicht, weil er ohne Sozialpläne und Entlassungen auskomme, sagte ein BMW-Sprecher.Falls die britische Belegschaft aber nicht einer Flexibilisierung der Arbeitszeit nach dem Vorbild deutscher BMW-Werke zustimme, könnte der Stellenabbau höher ausfallen und auch zu außerordentlichen Belastungen führen.Britische Zeitungen spekulieren derweil über eine mögliche Personalreduzierung von bis zu 3000 Mitarbeitern, was BMW jedoch nicht kommentiert.

Mit der teilweisen Einführung einer Vier-Tage-Woche wird beim BMW-Sorgenkind Rover zudem die Produktion eingeschränkt.Ferner muß Rover währungsbedingt ein Einkaufsvolumen von rund drei Mrd.DM von der Insel auf das europäische Festland verlagern.Währungssicherungsgeschäfte gegen die seit 1996 rund 30prozentige Aufwertung des britischen Pfund seien 1998 ausgelaufen.Im Stammhaus kann sich die heimische Belegschaft dagegen freuen.Hierzulande hat BMW bis Mitte 1998 rund 2100 Stellen aufgebaut.Der Autobauer beschäftigte konzernweit damit Mitte 1998 gut 120 000 Mitarbeiter, davon 39 000 bei Rover.Bei der Münchner Mutter BMW wirkt der diesjährige Wechsel beim Volumenmodell 3er-Reihe belastend.

Trotz Rover und Modellwechsel steuert der Gesamtkonzern 1998 aber auf neue Rekordzahlen zu.Schon zum Halbjahr stieg das Nachsteuerergebnis um fast 18 Prozent auf 511 Mill.DM.Für das Gesamtjahr hatte das Management früher "moderate" Ertragszuwächse angekündigt.Der Konzernumsatz wuchs bis Mitte 1998 um gut sechs Prozent auf 31 Mrd.DM.Die Kfz-Auslieferungen stagnierten dabei bei gut 601 000 Wagen der Marken BMW und Rover.Die BMW-Verkäufe schrumpften durch den Modellwechsel um drei Prozent auf 341 000 Einheiten.Damit lag der BMW-Marktanteil in Deutschland zum Halbjahr bei 6,3 (Vorjahr 6,5) Prozent.

Im wichtigen Auslandsmarkt Amerika konnte BMW die Verkäufe zum Halbjahr um sieben Prozent auf 66 869 Wagen steigern.Dagegen sei der Absatz in Asien bedingt durch die dortige Krise um ein Viertel auf 24 150 Autos eingebrochen.Die Produktion legte konzernweit um ein Prozent leicht auf über 630 000 Autos zu.Für das zweite Halbjahr erwartet BMW ein beschleunigtes Wachstum von Umsatz und Produktion, weil der Modellwechsel der 3er Reihe und des Land Rovers dann positiv zum Tragen komme.

Schon im Aufwind ist die Motorradsparte in Berlin.Die Produktion stieg zum Halbjahr um gut acht Prozent auf über 36 000 Zweiräder.Die Verkäufe wuchsen sogar um fast ein Viertel auf gut 37 000 Einheiten.Auch die Triebwerkstochter BMW Rolls-Royce GmbH gewinnt an Boden.Die Turbinenproduktion wurde in den ersten sechs Monaten 1998 auf 50 Triebwerke verdoppelt.Die Kapazität liegt bei 260 Turbinen pro Jahr.Die jüngste Kapitalerhöhung habe BMW rund zwei Mrd.DM zusätzliche Liquidität "für künftige unternehmerische Aufgaben" gebracht, teilte das Unternehmen weiter mit.Den eigenen Börsenwert beziffert BMW auf 45,6 Mrd.DM.

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