Wirtschaft : BMW setzt britische Regierung unter Druck

MÜNCHEN (tmh).BMW setzt die britische Regierung unter Druck.Wenn die Regierung nicht das Rover-Werk in Longbridge subventioniere, könnte das nächste Modell nicht mehr in Großbritannien, sondern in Ungarn montiert werden, warnte BMW-Vorstand Joachim Milberg auf der Bilanzpressekonferenz in München.London müsse innerhalb von vier Wochen ein akzeptables Angebot vorlegen.Die Briten haben dem Vernehmen nach einen Zuschuß von 350 Mill.DM in Aussicht gestellt - die Münchner verlangen das Doppelte.

"Je länger sich die Verhandlungen in dieser Angelegenheit hinziehen, desto größer werden die Chancen für einen Standort außerhalb Großbritanniens," machte der neue BMW-Chef Joachim Milberg zur Bilanzvorlage in München unmißverständllich klar.Ungarn sei eine echte Alternative zum Bau eines neuen Rover-Modells: Dort lockten niedrige Arbeitskosten und staatliche Strukturhilfen.Zudem könne das Land als Sprungbrett für einen Eintritt in osteuropäische Märkte dienen, sagte Milberg.

Das neue Rover-Modell R 30 soll binnen drei Jahren vom Band rollen, um die bestehenden Typen Rover 200 und Rover 400 zu ersetzen.Einen kleinen 2er-BMW gebe es dagegen definitiv nicht, sagte der BMW-Vorstand.Angaben zum Stand der Gespräche mit London lehnte Milberg kategorisch ab.BMW erwarte für Longbridge Zuschüsse von 600 bis 800 Mill.DM.Die Sanierung des Werkes dürfte 1,5 bis 1,8 Mrd.DM kosten, schätzte Milberg.Bislang seien knapp sieben Mrd.DM in Rover investiert worden, davon gut vier Mrd.DM durch die Konzernmutter BMW, die 1998 zusätzlich einen Rover-Verlust von 1,9 Mrd.DM verkraften mußte.

Andere BMW-Vorstände machten deutlich, daß Longbridge trotz aller Drohungen noch immer der bevorzugte Standort für den Bau des R 30 ist.Allgemein wollen die Münchner ihre Tochter Rover verstärkt an die kurze Leine nehmen und Synergieen ausschöpfen.In der Vergangheit seien in diesem Punkt Managementfehler begangen worden, räumte Milberg ein.Nun würden Vertrieb, Produktion und Entwicklung von Rover in den BMW-Konzern integriert.Dieser harte Sanierungskurs trage weitere Risiken in sich, sei aber im Vergleich zur Schließung von Rover die günstigere Variante.

Weiteren Stellenabbau bei Rover hält BMW aber für unvermeidlich.Allein 1999 seien dort bislang 3500 Arbeitsplätze abgebaut worden, sagte BMW-Vorstand Helmut Panke.Von einstmals 39 000 Mitarbeitern arbeiten bei Rover noch 33 600 Frauen und Männer.In deutschen Werken würden dieses Jahr dagegen nochmals bis zu 1000 neue Stellen geschaffen.Ende 1998 beschäftigte der Konzern knapp 120 000 Mitarbeiter.In der Produktion soll zwischen Mutter und britischer Tochter ein "Gleichteile- und Baukastensystem" etabliert werden.Das sei aber nicht als Plattformstrategie nach VW- Vorbild zu verstehen, schränkte BMW-Vorstand Wolfgang Ziebart ein.Auch eine autarke Rover-Modellentwicklung gebe es künftig nicht mehr.Umso mehr Wert legt Milberg dagegen auf die Eigenständigkeit von BWM."Wir benötigen keinen Partner," sagte er und trat damit erneut Fusionsspekulationen entgegen.Dieses oberste Unternehmensziel unterstütze auch die Familie Quandt als Großaktionär.BMW habe mit Rover bereits eine für den globalen Wettbewerb nötige Mindestgröße erreicht.1999 dürfte bei Rover ein "spürbar" besseres Ergebnis bringen, schätzte Milberg.Einen Gewinn hält er aber nicht einmal im Jahr 2000 für wahrscheinlich.Obwohl auch die Triebwerkstochter BMW Rolls Royce GmbH als zweiter Verlustbringer dieses Jahr ihre Defizite abbauen soll, erwartet der Vorstand 1999 nur ein Konzernergebnis etwa auf Vorjahreshöhe.Im ersten Quartal legten die BMW-Auslieferungen weltweit um sieben Prozent auf 178 000 Autos zu.Dagegen sanken die Rover-Verkäufe um 38 Prozent.1998 sind die Konzernumsätze um fünf Prozent auf gut 63 Mrd.DM gewachsen, während der Jahresüberschuß unter dem Druck versiebenfachter Roververluste um gut ein Viertel auf 903 Mill.DM gesunken sei.

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BMW und die schwierige Tochter Rover

Tagesspiegel, 31.März 1999



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