Wirtschaft : BMW stockt Rolls-Offerte nicht auf

Hauptversammlung in München: Aktionäre fordern Konsequenzen nach Fusion Daimler-Chrysler MÜNCHEN (tmh).Im Übernahmekampf um die britische Luxusmarke Rolls-Royce Motor Cars Ltd., Crewe, wird die Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, München, definitiv keine neue Offerte auf den Tisch legen."Unter keinen Umständen werden wir unser Angebot verändern," stellte BMW-Chef Pischetsrieder in München vor der Hauptversammlung unter heftigem Beifall der Aktionäre klar.Man gebe sich im Poker gegen die Volkswagen AG, Wolfsburg, zwar nicht geschlagen.BMW werde aber nicht dazu beitragen, daß Rolls-Royce als "die edelste Marke der Welt versteigert wird, wie ein gefälschter Perserteppich." Bis zur entscheidenden Hauptversammlung des Rolls-Royce-Verkäufers Vickers Plc., London, am 4.Juni werde BMW keinesfalls "schmollend in der Ecke sitzen", sondern seine Möglichkeiten nutzen, versprach der BMW-Chef.Zugleich betonte Pischetsrieder, daß BMW "in jedem Fall" alle Lieferverträge mit Rolls-Royce kündige, sollte der Autohersteller in die Hände der Volkswagen AG fallen."Wir werden uns auch nicht auf Tauschgeschäfte einlassen, und das ist kein Säbelrasseln," warnte der BMW-Chef seinen Kontrahenten und VW- Chef Ferdinand Piëch.In BMW-Kreisen heißt es, daß BMW seine Lieferverträge für Motoren und andere Komponenten an Rolls-Royce binnen eines Jahres kündigen kann.Die Entwicklung und Zulassung neuer Motoren im Falle eines BMW-Lieferstops würde vier bis fünf Jahre beanspruchen.Andere Experten nennen eine Entwicklungszeit von zwei bis drei Jahren.Das BMW-Angebot sichere als einziges die Produktion in Crewe, betonte Pischetsrieder.Unter dem Strich würde eine Rolls-Royce-Übernahme VW ohne Folgeinvestitionen mindestens zwei Mrd.kosten, hieß es in BMW-Kreisen.Die Wolfsburger bieten 1,25 Mrd.für Rolls-Royce gegenüber 1,0 Mrd.DM von BMW.Große Teile der Kleinaktionäre teilten die Haltung des Managements zu Rolls-Royce.BMW dürfe sich nicht am "Geschacher" um die britische Marke beteiligen, bekräftigte eine Aktionärssprecherin.Gefahren sehen die Aktionäre vor allem durch die Fusion Daimler-Chrysler auf BMW zukommen.BMW müsse nun "Geld in die Hand nehmen" und selbst Initiative für weitreichende Kooperationen entwickeln.Insbesonders sollten die Münchner von ihrer "Pkw-Monokultur" abrücken und etwa die MAN AG, München, übernehmen, um ins Lkw-Geschäft einzusteigen.Die Aktionäre halten ferner das Motorenwerk für bedroht, das BMW derzeit mit Chrysler in Brasilien baut.Diese Gemeinschaftsproduktion gehe im Jahr 2000 in Betrieb und sei auch nach der deutsch-amerikanischen Fusion nicht gefährdet, entgegnete Pischetsrieder.Doch auch darüber hinaus könne BMW weiterhin selbständig bleiben und sei nicht zu Kooperationen gezwungen.Eine Fusion mit einem Massenhersteller wie Chrysler lehnte der BMW-Chef ab.Für das US-Werk von BMW in Spartanburg kündigte er dagegen Zusatzinvestitionen von über einer Mrd.DM binnen zwei Jahren an, um dort exklusiv einen neuen Geländewagen zu bauen.Zugleich ließ sich BMW von den Aktionären eine Kapitalerhöhung in zwei Stufen um nominal 300 Mill.DM genehmigen.Dem Konzern fließen dadurch rund zwei Mrd.DM zu.In den ersten vier Monaten 1998 stieg der Konzernumsatz indessen um sechs Prozent auf 20,5 Mrd.DM.Zumindest für Absatz und Umsatz zeichnen sich in diesem Jahr neue Rekordwerte ab.

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