Wirtschaft : BMW übernimmt Rolls-Royce

Monatelanges Tauziehen mit VW beendet / Britische Rolls-Fans wollen gegen deutsche Übernahme ankämpfen DÜSSELDORF (HB).Das Rennen um die britische Nobelmarke Rolls-Royce ist beendet.Für rund eine Mrd.DM steigt BMW ein und will kräftig in das britische Traditionsunternehmen investieren.Analysten begrüßten den Deal, sehen aber auch Gefahren wegen des Investitionsumfangs, der auf drei Mrd.DM geschätzt wird.Mitbieter VW wollte sich zum Verkauf nicht äußern, VW-Chef Piëch muß jetzt einen neuen Weg in die Auto-Luxusklasse suchen. Der Vorstand des Vickers-Konzerns habe sich "grundsätzlich" für das BMW-Angebot entschieden, hieß es am Montag in London.Die Absage an den aussichtsreichsten Mitbieter Volkswagen kam überraschend.Nach Handelsblatt-Informationen verhandelten Mitglieder des VW-Vorstandes noch bis Sonntag mit Vickers-Offiziellen.BMW will rund eine Mrd.DM (340 Mill.Pfund) für die Rolls-Royce Motor Cars Ltd.bezahlen.Der Konzern macht in seinem Angebotspaket neben dem Kaufpreis auch Investitionszusagen, sagte ein BMW-Sprecher.Details würden aber zunächst nicht genannt.Wie es am Montag am Rolls-Royce-Stammsitz in Crewe hieß, will BMW drei Mrd.DM in das Unternehmen investieren und die Produktion verdreifachen.Derzeit stellt Rolls-Royce jährlich rund 2000 Autos her.Im gesamten BMW-Konzern rollten 1997 rund 1,2 Mill.Fahrzeuge von den Bändern.VW wollte angeblich einen 500 Mill.DM höheren Kaufpreis zahlen.VW wollte am Montag zur Entscheidung des Vickers-Vorstands "keinen Kommentar" abgeben.In den nächsten Wochen will Vickers das BMW-Angebot im Detail aushandeln."Wir treten nun in eine Phase exklusiver Verhandlungen mit BMW", sagte eine Vickers-Sprecherin in London.Es sei mit einer "kurzen Zeitspanne" bis zur Schlußempfehlung des Vorstandes zu rechnen.In England ist die Entscheidung von Vickers kritisiert worden, Rolls-Royce in ausländische Hände zu geben.Kämpferisch zeigte sich ein weltweites "Übernahme-Team" finanzkräftiger Besitzer der Nobelmarke unter Führung des Anwalts Michael Shrimpton.Er will nach eigenen Angaben den Versuch starten, das BMW-Angebot zu überbieten."Es ist verfrüht für BMW, jetzt schon den Sieg zu erklären.BMW hat eine Schlacht gewonnen, aber noch nicht den Krieg", sagte der Anwalt der dpa.Theoretisch könnte auch Volkswagen noch ein anderes Angebot vorlegen, heißt es bei Finanzanalysten.Über die Annahme des BMW-Angebotes muß die Vickers-Hauptversammlung am 29.April entscheiden. In der Münchner BMW-Zentrale äußerten sich Firmensprecher "überglücklich".Der Münchner Konzern fühle sich durch die Entscheidung des Vickers-Vorstandes "geehrt und auch verpflichtet, die Erwartungen des englischen Partners zu erfüllen".Der BMW-Vorstand will sich auf der Bilanzpressekonferenz an diesem Dienstag zu seinen Rolls-Royce-Plänen äußern.In einer Stellungnahme zeigte sich der Vickers-Vorsitzende Colin Chandler erfreut über das starke Kaufinteresse für die Nobelmarke."Nach sorgfältiger Betrachtung einer Anzahl von Vorschlägen glaubt der Vickers-Vorstand, daß das BMW-Angebot für Rolls-Royce sowohl gemessen am Wert für unsere Aktionäre als auch an den fortgesetzten Erfolgsaussichten dieses einzigartigen Unternehmens das attraktivste darstellt." Das in dem kleinen Ort Crewe in der Grafschaft Cheshire beheimatete Traditionsunternehmen wurde 1904 von Charles Rolls und Henry Royce gegründet.Rolls, ein vermögender englischer Aristokrat, begeisterte den aus einfachen Verhältnissen stammenden Ingenieur Royce mit der Idee, "die besten Automobile der Welt zu bauen".Im Laufe des I.Weltkrieges begann Rolls-Royce mit dem Bau von Flugzeugmotoren.Zu den Abnehmern zählte auch der Rüstungskonzern Vickers, die heutige Muttergesellschaft der Autofirma.So lieferte Rolls-Royce während des II.Weltkrieges die Triebwerke für die legendären "Spitfire"-Flugzeuge.Auch das Autogeschäft florierte und 1931 wurde Bentley übernommen.Die Krisenanfälligkeit des Autogeschäfts und der hohe Kapitalbedarf bei der Neuentwicklung von Triebwerken brachten die Rolls-Royce-Gruppe Anfang der 70er Jahr an den Rand des Konkurses.Der Staat mußte mehrfach zu Hilfe eilen, trennte schließlich die Automobilsparte ab und brachte sie 1973 gesondert an die Börse.1980 übernahm Vickers die Traditionsfirma für knapp 40 Mill.Pfund.Die Markenrechte liegen allerdings bis heute bei dem Triebwerkhersteller Rolls-Royce Plc, der mit dem bayrischen Autohersteller BMW über ein Joint Venture verbunden ist.Im vergangenen Jahr verkaufte Rolls-Royce gut 1900 Fahrzeuge.Die Zahl der Superreichen, die bereit sind, für das fahrende Statussymbol 300 000 DM und mehr zu bezahlen, ist jedoch begrenzt.Weltweit, hat Firmenchef Morris einmal errechnet, gebe es vielleicht 4000 potentielle Kunden.Zu den treuesten von ihnen gehört die britische Königin.

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