BMW : Weiß-blau-schwarz

Die Krise der Autobranche trifft den zweiten deutschen Oberklassehersteller. Nach Daimler blickt nun auch BMW skeptisch in die Zukunft. Die Bayern senken die Gewinnprognose um 1,5 Milliarden Euro - die Aktie stürzt ab.

Thomas Magenheim
BMW
Große Schlitten wollen die Kunden nicht mehr. Dies drückt die Verkäufe von BMW besonders in den USA. -Foto: vario-images

MünchenAm Freitag senkte Konzernchef Norbert Reithofer die Prognosen vor allem wegen der Talfahrt am US-Automarkt drastisch: Im laufenden Jahr peilen die Münchner statt 3,8 nur noch 2,2 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern an – und auch das nur, wenn der Umsatz stabil bleibt. Das Sparprogramm wird verschärft, die Produktion gedrosselt.

Besser werde es auch im kommenden Jahr nicht, warnte Reithofer. „2009 bringt zunehmend Gegenwind.“ Die Frage, ob dann rote Zahlen drohten, ließ er unbeantwortet. Frühestens 2010 könne es für BMW wieder aufwärtsgehen. Der Aktienkurs brach auf diesen Ausblick um knapp elf Prozent ein, stabilisierte sich aber im Tagesverlauf bei 27 Euro auf einem Minus von sechs Prozent.

Trotz der Niedrigkurse betonte Reithofer: „Wir sehen uns nicht als Übernahmekandidaten.“ Die Familie Quandt als Großaktionär stehe auch in dieser sehr schwierigen Phase zum Konzern. BMW hatte bereits angekündigt, vor allem im Inland insgesamt 8100 Beschäftigte, davon mehr als 3000 Stammkräfte, gehen zu lassen. Von rund 4000 Leiharbeitern und 1500 Stammkräften hat sich BMW bereits getrennt. Nun soll das Personal auch auf übertarifliche Leistungen verzichten, die einst zum guten Ruf von BMW als Arbeitgeber beigetragen haben. Auch zusätzlichen Personalabbau durch Fluktuation schloss Reithofer ausdrücklich nicht aus.

Finanzvorstand Michael Ganal sagte, BMW könne bis Jahresende nur noch mit rund vier Prozent Umsatzrendite rechnen. Auf Basis gleichbleibender Umsätze von 56 Milliarden Euro wäre das ein Profit von 2,2 Milliarden Euro, also mehr als 40 Prozent weniger als in der bisherigen Prognose. Im Jahr 2010 soll die Umsatzrendite mit sechs Prozent wieder das Niveau von 2007 erreichen, und bis 2012 sollen es acht bis zehn Prozent werden.

Im gerade abgelaufenen zweiten Quartal waren die Erlöse leicht rückläufig. Als Grund für die Misere nannten die Manager eine Verdreifachung der Risikovorsorge für das anhaltend schlechte US-Geschäft auf fast 700 Millionen Euro und Kosten für den Stellenabbau von 107 Millionen Euro allein im zweiten Quartal. Im laufenden Halbjahr soll der Stellenabbau mit weiteren 200 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Die Bayern sind von der Krise in den USA besonders getroffen, weil sie dort zuletzt ein Fünftel ihrer Autos verkauft haben. Das Volumen soll dort nun kurzfristig vermindert werden, dennoch will BMW 2008 unter dem Strich einen neuen Absatzrekord mit über 1,5 Millionen weltweit verkauften Fahrzeugen einfahren. Noch im April hatte Reithofer sich optimistisch gezeigt, dass die Lage am US-Markt sich rasch bessert. Auch bei der Entwicklung der Rohstoffkosten habe man sich verschätzt, räumte Ganal ein. Andere europäische Autohersteller, vor allem der heimische Konkurrent Audi steuern bislang deutlich besser durch die Branchenkrise.

BMW setzt nun stärker auf Klein statt Groß. Ein Geländewagen im obersten Segment soll doch nicht kommen: „Wir wollten ursprünglich einen X7 bauen und haben das Projekt erst diese Woche im Vorstand beerdigt“, sagte Reithofer und kündigte den Bau eines reinen Elektroautos an. Ein Test mit 500 Kleinwagen der Marke Mini läuft bereits. Auch Hybridmodelle, also Fahrzeuge mit Benzin- und Elektroantrieb, sind geplant.

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