BMW : Wenig Freude am Fahren

Es geht abwärts. Die Finanzkrise trifft nun auch BMW. Mit Autos verdient der Konzern fast nichts mehr. Die Banksparte erwägt bereits, Hilfe zu beantragen.

Thomas Magenheim[München]

Norbert Reithofer muss noch stärker auf die Bremse treten. „Die Krise übertrifft alles, was wir bisher kennen“, sagte der BMW-Chef am Dienstag über die Folgen der Finanzmarktturbulenzen für die Autoindustrie. Zusatzkosten von bislang 1,3 Milliarden Euro im laufenden Jahr sorgten dafür, dass das Ziel von vier Prozent Rendite verfehlt werde. Eine neue Prognose gab Reithofer nicht. „Wir werden aber ein deutlich positives Konzernergebnis erzielen.“ Man überlege, für die zur Absatzfinanzierung dienende BMW-Bank das Rettungspaket des Bundes in Anspruch zu nehmen, berichtete Vorstand Friedrich Eichiner.

Im reinen Autogeschäft schmolz der Gewinn im dritten Quartal auf 18 Millionen Euro zusammen; vor einem Jahr waren es noch mehr als 700 Millionen gewesen. Bei Finanzdienstleistungen fiel sogar ein Verlust von 17 Millionen Euro an. Konzernweit verringerte sich das Ergebnis vor Steuern um fast zwei Drittel auf 279 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate waren es mit 1,3 Milliarden Euro rund 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Als Reaktion auf die Absatzschwäche drosselt BMW die Produktion um mindestens weitere 40 000 Autos. Damit rollen im laufenden Jahr nach jetzigem Stand 65 000 Fahrzeuge weniger vom Band als geplant. Der einst angekündigte Absatzrekord wird ausbleiben. BMW verlängert zudem über Weihnachten die Betriebsferien. Sollte es Anfang 2009 nicht aufwärtsgehen, müssten weitere Zeitarbeitsplätze gestrichen werden, kündigte Reithofer an. Am Jahresende sollen noch 3000 Zeitarbeitsplätze übrig sein. Das Stammpersonal zählt derzeit 103 625 Mitarbeiter und muss Kürzungen übertariflicher Leistungen hinnehmen. Für 2009 sei wegen der verfahrenen Lage keine Ergebnisprognose möglich, und das für 2010 geltende Renditeziel von sechs Prozent sei nur zu schaffen, wenn sich der Markt erhole, hieß es.

Die Nachrichten brachte die BMW-Aktie in Turbulenzen. Das Papier verlor zunächst 7,6 Prozent, doch zum Handelsschluss notierte es mit 11,6 Prozent im Plus, weil die Börse noch Schlimmeres erwartet hatte. Pessimistisch zeigte sich auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) und senkte seine Absatzprognose von 3,2 auf 3,1 Millionen Neuzulassungen im Inland. Auch das Auslandsgeschäft verliere an Fahrt. Ob die Weltwirtschaft vor einer Rezession stehe, sei offen. „Sicher ist nur, dass diese Krise erhebliche Auswirkungen auf die globale Autokonjunktur haben wird“, erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

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