Wirtschaft : BMW will Einstieg in die Luxusklasse aus eigener Kraft

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

MÜNCHEN .Sehr zum Leidwesen von Firmenchef Bernd Pischetsrieder endet die Modellpalette der Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, München, derzeit bei 180 000 DM.Das ist ohne Extras der Preis für den teuersten BMW vom Typ 750iL.Die Niederlage im Rennen um Rolls-Royce sorgt dafür, daß die 7er- und 8er-Reihen auf Sicht auch der finanzielle Höhepunkt im bajuwarischen Produktspektrum bleiben.Das Streben nach höheren Image-Sphären haben die Münchner aber deswegen nicht aufgegeben.Mit einem über 200 000 DM teuren Sportwagen soll nun aus eigener Kraft der Einstieg in die absolute automobile Luxusklasse beginnen.

Allerdings würde zu einem bis zu 850 000 DM teueren Rolls-Royce damit immer noch eine deutliche Lücke klaffen.Ohne die britische Nobelmarke wird der Markteintritt zudem auch zeitlich verzögert.Technisch wäre die Produktion eines Luxus-Sportwagens, wie ihn Pischetsrieder jetzt ins Spiel gebracht hat, binnen drei Jahren möglich.Ob das dann unter Marketingaspekten auch der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg ins Topsegment der Automobilindustrie ist, wird in München offengelassen.Noch ist das ganze Projekt recht diffus.Die Münchner Konzernzentrale äußert sich traditionell sehr zurückhaltend über einzelne Modellpläne.Erste Konturen des Luxusflitzers zeichnen sich dennoch ab.Die Entwicklung eines neuen Modells kostet eine niedrige einstellige Milliardensumme, hatte Pischetsrieder vor kurzem allgemein vorgerechnet.Das gilt dem Vernehmen nach auch für den noblen Sportwagen.Wegen der im angestrebten Marktsegment üblicherweise niedrigen Stückzahlen könnte das künftige Flaggschiff des Konzerns in bestehenden Fabriken mitproduziert werden und würde von daher kaum Zusatzinvestitionen in Werke auslösen.Unter dem Strich komme die Investition billiger als der Rolls-Royce-Kauf, schätzte Pischetsrieder.Für die Nobelmarke hatten die Münchner eine Mrd.DM Kaufpreis und drei Mrd.DM Folgeinvestitionen angesetzt.Spekulationen, BMW könnte wie Mercedes mit Maybach eine Altmarke wiederbeleben, werden firmenintern zurückgewiesen.Zwar haben die Münchner im Zuge des Rover-Deals vor vier Jahren auch 13 ruhende Markenrechte übernommen.Der Charakter derartiger Marken wie "Riley" passe aber kaum zum angestrebten Marktsegment, heißt es.Auch ein Erwerb der Rolls-Royce-Markenrechte, die VW ja nicht zusammen mit den Werken in Crewe gekauft hat, gilt in München mittlerweile als unwahrscheinlich.Dem BMW-Chef schwebe wohl etwas zwischen der heutigen 8er-Reihe und dem jüngsten Bentley-Modell Arnage vor, heißt es zum möglichen Charakter des künftigen Edelgefährts.Das vor Jahren von BMW und Bentley angedachte Projekt Java eines zweisitzigen Sportwagens läßt sich dabei kaum wiederbeleben, da die Rechte dem Vernehmen nach bei Rolls-Royce liegen.Nutzbar ist dagegen die Technologie, die BMW bislang Rolls-Royce und Bentley zur Verfügung gestellt hat.Hinsichtlich der Wertschöpfung stammen 30 Prozent der britischen Luxuswagen aus BMW-Produktion.Wenn die Münchner binnen eines Jahres wie angekündigt die Lieferung von Motor, Getriebe und anderer Komponenten nach Großbritannien einstellen, können diese Teile in der Regel aber nicht automatisch für die eigenen Sportwagenpläne genutzt werden, schätzt man in München.Eine Ausnahme bildet der Motor.Es sei "ausgesprochen denkbar", die bislang an Bentley gelieferten Antriebsaggregate künftig in ein eigenes Modell einzubauen.Mit dem angedachten Luxus-Sportwagen würde BMW eher in Konkurrenz zu Ferrari und Lamborghini treten.Dort würden die Münchner pikanterweise erneut VW begegnen, das über seine Tochter Audi künftig Sportwagen der Marke Lamborghini bauen will.Das prestigeträchtige Segment würde sich eignen, um offene Rechnungen zu begleichen.Die Spären von Rolls-Royce selbst wären zumindest vorerst nicht betroffen.Der über 200 000 DM teure Flitzer müsse aber nicht der letzte Schritt von BMW in Richtung Topklasse sein, heißt es, obwohl Luxuslimousinen vom Schlage eines Rolls-Royce in München offiziell nicht "die erste Priorität" haben.

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