Bochum : Gegenwind für Nokia

Muss Nokia jetzt doch Millionen zurückzahlen? Der Handy-Hersteller Nokia hat in seinem Bochumer Werk möglicherweise gegen Subventionsauflagen verstoßen. Unterdessen ist das Image des Unternehmens auf einen Tiefpunkt gesunken.

Düsseldorf/HamburgDas finnische Unternehmen Nokia hat von 2002 bis 2005 gegen Subventionsauflagen verstoßen. Erste Trends einer von der NRW-Bank in Auftrag gegebenen Prüfung ergäben, dass die Zahl der erforderlichen 2860 Dauerplätze zwischen 200 und 400 unterschritten worden sei, sagte der Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser. Er bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Wenn sich dieser Trend bestätige, "dann wird das Wirtschaftsministerium prüfen, ob und in welche Richtung welche Konsequenzen zu ziehen sind", sagte Neuser weiter.

Nach "Focus"-Informationen prüft die Staatsanwaltschaft Bochum, ob sie Ermittlungen wegen Subventionsbetrug im Zusammenhang mit den Arbeitsplätzen aufnimmt.

Imagewerte dramatisch gesunken

Nach täglichen Umfragen des Kölner Marktforschungsinstituts Psychonomics, die der "Wirtschaftswoche" vorliegen, liegt Nokia bei allen sieben Kriterien im negativen Bereich und damit deutlich hinter seinen Wettbewerbern. Der Einbruch der Marke sei "geradezu dramatisch". Vom 15. Januar, dem Tag der Bekanntgabe der Werksschließung, bis zum 23. Januar sank der allgemeine Imagewert demnach von plus 41 auf minus 14 Prozent.

Unter anderem sank die Bereitschaft der Befragten, Nokia weiterzuempfehlen, von plus 48 auf minus sechs Prozent. Das Image Nokias als guter Arbeitgeber brach laut dem Fachblatt von plus 44 auf minus 37 Prozent ein. Auch das Qualitätsempfinden, das zuvor mit 62 Prozent deutlich über dem Wettbewerbern lag, sank auf fünf Prozent und damit noch unter die sechs Prozent des Herstellers LG. Befragt wurden laut "Wirtschaftswoche" täglich tausend Bundesbürger.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wussten die Betriebsräte im Bochumer Werk früher über die schlechte Lage Bescheid als bisher bekannt. Wie das Blatt unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise meldet, wurden die Probleme des Werkes seit 2004 regelmäßig in den Aufsichtsratssitzungen diskutiert. In dem Gremium sitzt unter anderem die Betriebsratschefin Gisela Achenbach. Bei den Gesprächen sei es wiederholt auch um die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und die vergleichsweise hohen Lohnkosten des Bochumer Werks gegangen. Dabei seien auch "unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten" erörtert worden. Achenbach und andere Betriebsratsmitglieder hatten in den vergangenen Tagen immer wieder erklärt, die Schließung des Bochumer Nokia-Werks sei aus ihrer Sicht sehr überraschend erfolgt. (ae/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben