Wirtschaft : Bocuse für alle

Immer raffiniertere Fertig-Feinkost aus dem Kühlregal macht Laien in zwei Minuten zum Chefkoch

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Was darf’s denn heute sein? Vielleicht italienische Gnocchi mit Basilikum-Pesto? Eine feurige Thai-Suppe mit gekochtem Hühnerfleisch und Glasnudeln? Oder doch lieber Dim-Sun-Teigtaschen mit feiner Gemüsefüllung und Shrimps? Kein Problem: Die Spezialitäten aus aller Welt kann heute jeder kochen. Das liegt weniger an den brillanten Kochkünsten immer breiterer Bevölkerungsschichten als an der wachsenden Auswahl im Supermarkt: ein Griff ins Kühlregal, ratsch - Packung auf und ab in die Mikrowelle, die Pfanne oder den Backofen – nach einer bis spätestens 20 Minuten steht das Essen dampfend auf dem Tisch.

Die gekühlten Fertiggerichte aus dem Supermarkt füllen schon längst nicht mehr nur gutverdienenden Singles den Magen. „Der Markt ist sehr heterogen“, sagt Oliver Frielingsdorf. Der Produkt-Manager arbeitet bei Steinhaus, einem Hersteller von Fertigessen, der Supermärkte wie Wal-Mart, Kaufhof oder Edeka beliefert. Neben Singles finden auch immer mehr Familien Gefallen an fertiger Pasta Toscana oder Florentina, eingeschweißter frischer Pizza oder schwäbischen Maultaschen aus dem Kühlregal. Dementsprechend variieren auch die Packungsgrößen: 250 Gramm wiegt die kleinste Portion, 1000 Gramm die größte. „Das reicht für vier Personen“, sagt Frielingsdorf.

Mit dem pappigen Klassiker Dosen-Ravioli hat die neue Generation der Fertig- oder Teilfertigprodukte nur noch wenig gemeinsam: die italienischen Fettucini oder Tortellini sind schon im Supermarkt appetitlich angerichtet – und sollten das auch nach dem Aufwärmen bleiben: „Der Kunde will sehen und fühlen, was er kauft“, sagt Produkt-Manager Frielingsdorf. Darum steckt die meisten Anbieter ihre Frisch-Produkte in einen durchsichtigen, grapschfesten Plastikbeutel und heften oben ein hübsches Pappschild dran, mit n und Zutatenliste. „Die Verbraucher“, sagt Josef Dieter Kühler von der Feinkost-Vereinigung Corpus Culinario, „wollen möglichst naturbelassene Ware, in der möglichst viele Vitamine drin sind. Die Packung muss leicht zu öffnen und in der Zubereitung ideal sein.“ Und außerdem lecker. „Das muss schmecken wie hausgemacht“, sagt Horst Zahner, Gründer der Freiburger Feinkostfirma Zahner-Traiteur.

Wichtig ist es, da sind sich die Hersteller einig, dass der Kunde das Gefühl hat, er habe trotz Fertigpackung eine eigene Kreation am Herd gezaubert. Auch darum bieten sie zu den Teigwaren eine Auswahl frischer Soßen an. Der Kunde kann sein Essen dann nach Gusto zusammenstellen – und es bei Bedarf mit frischen Pilzen oder Kräutern veredeln.

Im Preis unterscheidet sich eine gekühlte Mahlzeit kaum von einer tiefgefrorenen, ab etwa 2,35 Euro für die 400 Gramm Packung. Dennoch hat Frischware einen Wettbewerbsvorteil: Sie ist schneller auf dem Teller. Der Tiefkühl-Auflauf braucht rund 20 Minuten, sein gekühltes Pendant nur zwei bis drei Minuten. Dafür ist es weniger lange haltbar. Spätestens 14 bis 16 Tage nach Herstellung muss die Frischware gegessen sein. Aber auch das kann im Kampf um die Gunst des Kunden ein Vorteil sein: Kurze Haltbarkeit suggeriert Frische und hohe Qualität.

Auch bei der Tiefkühlkost greifen immer mehr Verbaucher zu Fertigware. „Die Entwicklung geht immer mehr zu höhergradigen Speisen, die leicht zuzubereiten sind“, sagt Ortrun Hasler vom Deutschen Tiefkühlinstitut. Früher wurde tiefgefrorener Fisch nur pur angeboten. „Heute können die Kunden zwischen verschiedenen raffinierten Fischgerichten wählen.“ Auch vom tiefgefrorenen Gemüse sind schon rund 50 Prozent weiterverarbeitet. Die Deutschen mögen das offenbar: Im vergangenen Jahr aß jeder von uns im Durchschnitt 34 Kilo der frostigen Kost. Maren Peters/Alexander Visser

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