Wirtschaft : Boehm-Bezing gibt Mandat beim Baukonzern ab - Tarifvertrag tritt in Kraft

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Der umstrittene Aufsichtsratschef des Baukonzerns Philipp Holzmann, der Deutsche-Bank-Manager Carl von Boehm-Bezing, tritt zurück. Boehm-Bezing werde sein Mandat zur Verfügung stellen, "um eine Stärkung der industriellen Expertise im Aufsichtrat zu ermöglichen", erklärte die Deutsche Bank am Montagabend in Frankfurt am Main. Als Nachfolger Boehm-Bezings sollen die Holzmann-Aktionärsvertreter bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 15. März den 60-jährigen Gerhard Neipp wählen. Der bisherige Vorstandschef der Essener Ruhrkohle AG soll das Amt am 17. April antreten. Bei Holzmann waren 1999 überraschend Schulden in Milliardenhöhe aufgetaucht.

Unterdessen wurde am Montag erneut deutlich, dass der Sanierungstarifvertrag für den angeschlagenen Bauriesen Philipp Holzmann trotzdem heute vorläufig in Kraft treten wird. Rund 10 500 Arbeitnehmer werden für 18 Monate pro Woche fünf Stunden mehr arbeiten, dafür keinen Pfennig kassieren und Holzmann damit um 160 bis 180 Millionen Mark entlasten. Das Unternehmen und die IG Bau beharren auf dem ausgehandelten Vertrag. Bis 15. Februar sollen die Bauarbeitgeber, die Wettbewerbsverzerrungen befürchten, zustimmen. Bei den Banken rechnet man weiter fest mit dem Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer. Dass am Scheitern oder auch an der möglichen Ablehnung der Bundeshilfe durch die EU die ganze Sanierung scheitern könnte, ist unwahrscheinlich. Dafür haben die Banken schon wieder zu viel Geld in das Unternehmen gesteckt. Und verkaufen - und damit wenigstens ein Teil ihres Geldes retten - können sie nur, wenn Holzmann wieder einigermaßen auf die Beine kommt. Die Unterstützung der Arbeitnehmer würde mit 160 bis 180 Millionen Mark zu Buche schlagen das Darlehen des Bundes mit 150 Millionen Mark.

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