Boeing 787 : "Der Berlin-Flieger schlechthin"

Der Flughafenchef ist begeistert: Das modernste Verkehrsflugzeug der Welt, die Boeing 787, ist in Tegel gelandet. Als erste deutsche Fluggesellschaft will Air Berlin das "Dreamliner" getaufte Modell 2014 in Dienst stellen.

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Erstmals in Deutschland: Der „Dreamliner“ hat eine Reichweite von 15 750 Kilometern und bietet 250 bis 290 Passagieren Platz.
Erstmals in Deutschland: Der „Dreamliner“ hat eine Reichweite von 15 750 Kilometern und bietet 250 bis 290 Passagieren Platz.Foto: dpa

Berlin - Wenn der Superflieger kommt, greifen auch schon mal Stars zur Handykamera. Schauspieler Til Schweiger zückte sein Smartphone. Das Sopranistinnen-Trio Appasionata sang „I believe I can fly“. Nur Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz patzte. In seiner Rede begrüßte er die Vertreter des Flugzeugherstellers Boeing als Airbus-Manager.

Das ist umso peinlicher, als das derzeit modernste Verkehrsflugzeug, die Boeing 787, am Samstag zum ersten Mal in seiner Geschichte nach Deutschland kam. Die Begrüßung des noch mit Testelektronik vollgestopften Protoypen in Tegel wurde zum Bekenntnis für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg als Luftverkehrs-Drehkreuz. Als erste deutsche Fluggesellschaft will Air Berlin das „Dreamliner“ getaufte Boeing-Modell 2014 in Dienst stellen und von dort aus einsetzen.

Rund 1500 Schaulustige hatten sich auf der Besucherterrasse eingefunden, als der neue Superjet fast geräuschlos einschwebte. Lange Zeit war der „Dreamliner“ für Boeing ein Alptraum gewesen. Aufgrund der Vielzahl neuer Technologien hatte sich das Projekt immer wieder verschoben. Ursprünglich hatte die japanische Fluggesellschaft ANA als Erstkundin bereits 2008 ihre erste „787“ erhalten sollen. Doch da startete der Prototyp gerade einmal zum Jungfernflug. Nach gut dreijähriger Verspätung ist jetzt alles im Lot und die Erstauslieferung an ANA für August oder September geplant. Air Berlin muss sich da noch etwas länger gedulden. Im April 2014 wird die „787“ am neuen Hauptstadt-Airport zum ersten Linienflug starten, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold.

„Wir haben uns in den letzten Jahren zum Hauptstadt-Flughafen bekannt, und das werden wir auch in Zukunft tun“, bekräftigte Hunold. Schließlich wisse man, wie wichtig Mobilität für Berlin sei. Flugverkehr und vor allem ein Drehkreuz seien dafür „unumgänglich“. „Kein Passagier geht freiwillig über die großen Drehkreuze London, Paris, Amsterdam oder Frankfurt, wenn er das auf direktem Weg ab Berlin tun kann“, betonte auch Flughafenchef Schwarz. Der „Dreamliner“ sei ideal für solche Nonstop-Langstrecken und damit „der Berlin-Flieger schlechthin“. Air Berlin hat insgesamt 15 Boeing „787“ gekauft und wird drei weitere Flugzeuge des Typs leasen. Ursprünglich hatte man die erste Maschine bereits im kommenden Jahr erhalten sollen, rechtzeitig zur Aufnahme in die Luftverkehrsallianz Oneworld. Von dieser Kooperation mit Marktriesen wie British Airways/Iberia und American Airlines, mit denen es schon jetzt Dienste unter gemeinsamen Flugnummern gibt, verspricht man sich den endgültigen Sprung in die Spitzengruppe des globalen Luftverkehrs und ein Ende der Finanzkrise.

Der „Dreamliner“ repräsentiert eine völlig neue Verkehrsflugzeuggeneration. 50 Prozent der Maschine bestehen aus Kunststoffen anstelle des klassischen Aluminiums. Weil der aerodynamisch optimierte Rumpf unanfällig gegen Korrosion und Materialermüdung ist, können Luftdruck und -feuchtigkeit in der Kabine zum Wohlbefinden der Reisenden erhöht werden. Die Fensteröffnungen wurden erheblich vergrößert, auf Plastikjalousien wurde verzichtet. Die Scheiben lassen sich elektronisch abdunkeln. Gezackte Luftauslässe an den Triebwerken senken den Lärm bei Start und Landung. 835 „Dreamliner“ hat Boeing bisher an 55 Airlines, Leasinggesellschaften und Privatkunden verkauft, Konkurrent Airbus liegt bei 580 Exemplaren des „A350XWB“, dessen Bau gerade erst begonnen hat. Bevor es zurück in die USA geht, macht der „Dreamliner“ heute noch einen Abstecher nach Schönefeld.

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