Wirtschaft : Boeing-Chef stolpert über Sex-Affäre Stonecipher tritt nach nur einem Jahr wieder ab

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New York Boeing-Chef Harry Stonecipher ist am Montag wegen eines Verhältnisses mit einer Angestellten von allen Ämtern entbunden worden. Die Führung des US-Luft- und Raumfahrtkonzerns übernimmt vorerst Finanzchef James Bell. Der Aktienkurs fiel um rund ein Prozent auf unter 58 Dollar. Bell sagte, er werde in- und außerhalb des Unternehmens nach einem neuen Chef suchen – er selbst komme aber nicht in Frage.

„Das Direktorium ist zu dem Schluss gekommen, dass die Fakten ein schlechtes Licht auf Harrys Urteilsfähigkeit werfen und seine Fähigkeit zur Führung des Unternehmens eingeschränkt ist“, sagte der Vorsitzende des Direktoriums, Lew Platt. Das Gremium habe Stonecipher nach internen Ermittlungen zum Rücktritt aufgefordert. Dem habe der 68-jährige entsprochen. Er ist verheiratet. Er hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder.

Die namentlich nicht genannte weibliche Führungskraft unterstand Stonecipher nicht direkt. Die Ermittlungen waren durch einen anonymen Hinweis vor zehn Tagen angestoßen worden.

Boeing erklärte, die Affäre habe auf beiderseitigem Einverständnis beruht und sich nicht auf Karriere oder Gehalt der Mitarbeiterin ausgewirkt. Dennoch handele es sich um einen Verstoß gegen den Firmenkodex.

Stonecipher hatte die Führung bei Boeing erst im Dezember 2003 nach einer Reihe von Skandalen um Rüstungsaufträge übernommen. Er stand zuvor an der Spitze des 1997 mit Boeing fusionierten Herstellers McDonnell Douglas und war Vize-Chairman von Boeing bevor er 2002 in den Ruhestand ging. Er wurde zurückgeholt, nachdem Boeing-Chef Phil Condit und kurz vorher auch Finanzchef Michael Sears wegen fragwürdiger Geschäftspraktiken und unethischen Verhaltens das Unternehmen verlassen mussten.

„Boeing hatte definitiv Probleme mit einer Missachtung seiner Verhaltensregeln und musste in der Konsequenz eine harte Linie einschlagen“, sagte Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma Libertyview Capital Management.

Erst kürzlich hatte Stonecipher gesagt, sein Amt bis 2006 ausüben zu wollen. „Ich bleibe noch eine Weile. Aber wenn sich jemand finden sollte, der den Job besser machen kann, bin ich bereit morgen aufzuhören, wenn man mich fragt“, hatte er vor einem Monat in einer Telefonkonferenz erklärt. Im vergangenen Jahr hatte er auf einer Europa-Reise auch Berlin besucht und für die Boeing 787 „Dreamliner“ geworben.

Während der europäische Konkurrent Airbus in der zivilen Luftfahrt mit dem Großflugzeug A380 auf lange Strecken setzt, glaubt Boeing an die Mittelstrecke. Zwar hat Airbus Boeing inzwischen bei den Passagierflugzeugen überholt, bei den besonders lukrativen Militäraufträgen liegt Boeing allerdings nach wie vor weit vorne. Tsp/Reuters

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