Wirtschaft : Boeing: Flugzeugkonzern verzichtet auf Konkurrenz zum Riesenjet von Airbus

Boeing will dem Super-Airbus A-380 keine Konkurrenz mehr machen. Der amerikanische Flugzeugkonzern verzichtet auf die Vergrößerung seines Jumbos B747 und setzt auf eine radikal neue Jetgeneration, die fast mit Schallgeschwindigkeit fliegen kann. Der "Sonic Cruiser" soll die Reisezeit über den Atlantik um zwei Stunden verkürzen. "Das ist das Flugzeug, dass unsere Kunden wollen", erklärte Boeing. Das Unternehmen legte seine Pläne für den Bau des Super-Jumbos 747X auf Eis, weil bisher keine Bestellungen eingangen waren. Airbus hat dagegen bereits 66 Bestellungen und 54 Optionen für den doppelstöckigen 550-Sitzer eingefahren.

Die A-380 soll um bis zu 20 Prozent wirtschaftlicher und umweltschonender fliegen als der betagte Jumbo. Die rund 250 Millionen Dollar (rund 555 Millionen Mark) teure Maschine hat 16 Meter mehr Spannweite und um die Hälfte mehr Deckfläche. Die erste A-380 soll 2006 bei Singapore Airlines in Dienst gehen.

Die Lufthansa, die im Laufe des ersten Halbjahres über einen Erwerb der A-380 oder des Super-Jumbos entscheiden wollte, kommentierte den Stopp des Boeing-Projektes nicht. Eine Entscheidung über die A-380 sei noch nicht gefallen, erklärte eine Sprecherin. In der Vergangenheit hatte es geheißen, beide Projekte seien interessant und würden geprüft.

Boeing legte derweil die Pläne für seinen "Sonic Cruiser" mit einem Deltaflügel in der Nähe des Hecks und zwei kleineren Flügeln an der Spitze vor. Die Flugzeuge sollen 100 bis 300 Passagiere befördern und je nach Flughöhe eine Geschwindkeit zwischen 1000 und 1200 Stundenkilometern erreichen können. Der "Sonic Cruiser" könne das Fliegen ähnlich dramatisch verändern wie der Einstieg in das Jet-Zeitalter.

Der Flugzeugbauer wies aber darauf hin, dass bei einer entsprechenden Nachfrage das 747X-Projekt jeder Zeit wiederbelebt werden könne. Auch Analysten aus den USA argumentierten, Boeing könne die Pläne für den Superjumbo jeder Zeit wieder aus der Schublade holen. Derzeit gebe es keine Nachfrage nach dem Flugzeug, das bedeute aber nicht, dass sich dies in ein bis zwei Jahren nicht ändern könnte, sagte Pierre Chao, Analyst von CS First Boston.

Boeing setzt erst einmal mit seinem neuen Expressjet auf Direktverbindungen zwischen normalen Verkehrsflughäfen. Auch Airbus hat in diesem Bereich einige Pläne vorliegen - aber die A-380 wird die Entwicklungsbudgets verschlingen, so dass die Skizzen für Schnellflieger vorerst in den Schubladen bleiben dürften.

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