Wirtschaft : Boeing setzt auf Dahlewitz

BERLIN (du). Der Triebwerkhersteller BMW Rolls-Royce in Dahlewitz ist mit Neuaufträgen gut ausgelastet. Gestern landete auf dem Flughafen Tempelhof das neueste Flugzeug des US-Herstellers Boeing - der Kurzstrecken-Flieger Boeing 717. Er ist mit BR715-Düsentriebwerken ausgestattet, die in Dahlewitz endmontiert werden. Unter den Ehrengästen in Tempelhof waren auch der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe.Die Fertigung in Dahlewitz war erst 1995 aufgenommen worden. Rund 400 Mill. DM wurden in das Werk mit rund 1000 Mitarbeitern investiert. In diesem Jahr soll der Umsatz des Unternehmens erstmals die Milliardengrenze erreichen, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Klaus Nittinger. "Anfang des neuen Jahrtausends" will er den Betrieb in die schwarzen Zahlen steuern. Mit einem Auftragsbestand von gut vier Mrd. DM sei die Auslastung für die nächsten zweieinhalb Jahre gesichert, so Nittinger. Rund 175 Triebwerke werden in diesem Jahr ausgeliefert, 260 sollen es 2000 sein.Von dem Erfolg profitiert auch die Region. 1998 wurden bereits Waren und Dienstleistungen für 29 Mill. DM bei 55 Firmen aus der Region eingekauft. Verstärkt setzte das Unternehmen auch in der Fertigung auf Zulieferbetriebe aus der Region, denen Unterstützung bei der Qualifizierung für den Luftfahrtbereich angeboten wird.115 Festbestellungen und 110 Optionen liegen bisher für die neue Boeing 717 vor, deren Auslieferung im September beginnt. Hauptkunden sind die US-Fluggesellschaften Air Tran und TWA. Erster europäischer Betreiber wird die griechische Olympic Aviation. Ein weiterer Auftrag der griechischen Axon Airlines soll in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden.Boeing sieht gute Marktchancen für das 100sitzige Flugzeug, das im Betrieb deutlich wirtschaftlicher als geplante Konkurrenzmodelle sein soll. Zudem gilt die 717 mit den BMW Rolls-Royce-Triebwerken als leisestes Verkehrsflugzeug der Welt. Auch bei den Abgas- und Verbrauchswerten wurden die Vorgaben bereits im Testprogramm klar unterschritten.BMW Rolls-Royce hat einen rund 20prozentigen Anteil am gesamten 717-Programm, sagte Boeing Europa-Präsident Dick James. Sechs weitere deutsche Firmen, darunter Siemens und Dräger, zählen zu den Zulieferern des US-Konzerns. In den kommenden fünf Jahren will Boeing Aufträge im Wert von 27 Mrd. DM an europäische Unternehmen vergeben.Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen würdigte das Boeing-Triebwerk aus Brandenburg als beispielhaft für eine Region, die bewußt und mit Erfolg darauf setze, ein Kompetenzzentrum für den Verkehrsbereich zu werden. Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe forderte die Fortsetzung der gezielten Luftfahrtforschung in Deutschland, deren finanzielle Förderung als nationale Aufgabe aber in die Zuständigkeit der Bundesregierung falle.

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