Wirtschaft : Boeing will Produktion halbieren

ek/ebe/sa

Drei Monate nach den Terroranschläge von New York und Washington zeigen sich die unterschiedlichen Auswirkungen auf Flugzeugbauer und Fluggesellschaften. So will der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing vor dem Hintergrund der Krise seine Produktion jetzt massiv drosseln. Demgegenüber glaubt der europäische Konkurrent Airbus, die Situation auch auf Grund der etwas anderen Kundenstruktur und entsprechend sicherer Auftragsbestände glimpflich überstehen zu können. Lufthansa-Chef Jürgen Weber zeigte sich unterdessen zuversichtlich, "die schwarze Null" noch in diesem Jahr zu erreichen. Das sei machbar, obwohl in der elften Woche nach dem 11. September dem Konzern eine Milliarde Mark fehlten, erklärte er der Konzernchef vor Journalisten in New York.

Bis Mitte nächsten Jahres werde Boeing die Fertigstellung und Auslieferung von derzeit 48 Jets pro Monat auf die Hälfte verringert werden, sagte Alan Mulally, Chef der Zivilflugzeugsparte, dem Handelsblatt. Mulally erwartet, dass es erst von 2004 an wieder aufwärts geht. Dieses Jahr sollen immerhin noch 525 Flugzeuge ausgeliefert werden. 2002 sollen es 350 bis 400 sein, 2003 dann nur noch 300. Mulally erklärte: "Allein in den USA stehen 1600 Jets am Boden, da gibt es für uns nur noch eins: Wir müssen die Produktion so schnell wie möglich herunterfahren."

Zwar hat auch Airbus seine Auslieferungszahlen für 2002 auf 300 bis 330 Jets heruntergeschraubt. Die Europäer sind aber zuversichtlicher. "Wir sehen inzwischen, dass sich die Lage auf manchen Strecken jenseits der USA wieder normalisiert. Die ersten Fluggesellschaften sind schon wieder zuversichtlich, und wir sind es auch", sagte ein Airbus-Sprecher in Toulouse.

Wolfgang Albrecht, Luftfahrt-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, erklärt den verhaltenen Optimismus: "Airbus sitzt auf einem riesigen Berg an Aufträgen. Außerdem haben sie weitgehend Kunden aus Europa und Asien, die nicht so stark von der Krise betroffen sind wie die US-Airlines." Die Festbestellung von 22 Maschinen des Großraumjets A380, die Emirates Airlines kürzlich während der Dubai Air Show abgab, ist für Airbus eine Bestätigung. Trotz Krise läuft die Entwicklung des 555-Sitzers, der 2006 erstmals ausgeliefert werden soll, programmgemäß weiter. Das Programm sei auch vom Einstellungsstopp ausgenommen.

Lufthansa-Chef Weber kritisierte erneut scharf die "Dumping-Preise" in der Branche. Vor der Presse in New York sagte er, die Beihilfen, die in den USA und Europa gewährleistet würden, seien nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar. Nach den Terroranschlägen hatten zahlreiche US-amerikanische Fluggesellschaften staatliche Hilfen unter anderem zur drastischen Verbilligung ihrer Ticketpreise benutzt. Auch der Star-Alliance-Partner von Lufthansa, United Airlines, beteiligte sich - anders als die Frankfurter selber - an den Preissenkungen. In Europa machten Hilfen für Swissair und Sabena Schlagzeilen. Die beiden Fluggesellschaften hatten allerdings schon im Vorfeld der Krise massive finanzielle Schwierigkeiten. Die ungleichen Staatsbeihilfen, so Weber, führten zu Wettbewerbsverzerrung und zu einer Verlangsamung im Konsolidierungsprozess.

Lufthansa beeilige sich nicht am Spiel billiger Preise und verliere keine Marktanteile, bekräftigte Weber. "Trotz hoher Energiepreise und Versicherungssummen würde ich nie zum Kanzler gehen und offensiv die Hand aufhalten. Als wir 1991 fast pleite waren, habe ich das auch nicht getan", sagte Weber. Nach dem 11. September seien vor allem Geschäftsreisende ferngeblieben. Normalerweise würden täglich 150 000 Passagiere befördert. Zurzeit fehlten aber 20 Prozent.

Weber rechnet damit, dass sich die Lage in der Branche spätestens in zwei Jahren wieder normalisiert hat und Anschluss an das bisherige Wachstum gefunden wird.

"Die Luftfahrt ist im vergangenen Jahrzehnt immer um vier bis sechs Prozent gewachsen - das wird auch weiter so bleiben," sagte Weber.

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