Börse am Morgen : Geplante Sanktionen bereiten Anlegern Sorge

Börsianer erwarten, dass sich die geplanten Sanktionen gegen Russland wegen der Handelsverflechtungen auch auf die Wirtschaft in der Euro-Zone auswirken wird. Goldpreis steigt.

Hakan Ersen
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: Reuters

Die geplante Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Russland hat den europäischen Börsen am Dienstag zu schaffen gemacht. Dieses Thema drängte die Geschäftszahlen von Firmen wie Deutsche Bank oder BP in den Hintergrund. Dax und Euro-Stoxx50 notierten jeweils knapp im Minus bei 9591 beziehungsweise 3169 Punkten.

"Bislang hatten die verhängten Sanktionen kaum Einfluss auf die russische Wirtschaft und noch geringere Auswirkungen auf die Konjunktur der Euro-Zone" sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Nach dem Absturz eines Passagier-Flugzeugs über der umkämpften Ost-Ukraine steige aber der Druck auf die Politik, aggressivere Strafen zu verhängen.

Vor diesem Hintergrund setzte die russische Währung ihre Talfahrt fort. Der Dollar stieg um bis 0,5 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 35,7045 Rubel. Die Leitindizes der Moskauer Börse hielten sich dagegen knapp im Plus. Sie hatten am Vortag bereits drei und zwei Prozent nachgegeben.

Sanktionen ein zweischneidiges Schwert

Die neuen EU-Sanktionen träfen nicht allein Russland, warnten die Analysten der Essener National-Bank. "Ohne Wirkung auf das europäische Wirtschaftswachstum werden die Sanktionen aufgrund der Handelsverflechtungen nicht sein. Über das Ausmaß lässt sich derzeit jedoch nur spekulieren, da es abhängig von der Dauer der Sanktionen sein wird."

Diese Unsicherheit trieb einige Anleger in "sichere Häfen" wie Bundesanleihen. Daraufhin fiel die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Titel auf ein Rekordtief von 1,12 Prozent. Der Bund-Future, der auf diesen Papieren basiert, stieg im Gegenzug um bis zu 39 Ticks und notierte mit 148,66 Punkten so hoch wie nie zuvor.

Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 1309,70 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Durchwachsene Zwischenbilanz der Deutschen Bank

Der 16-prozentige Anstieg des operativen Gewinns überzeugte Anleger der Deutschen Bank nur kurzzeitig. Die Aktien rutschten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und notierten 0,5 Prozent tiefer. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten deuteten auf weiter drohende finanzielle Belastungen hin, kritisierte Equinet-Analyst Philipp Häßler.

Ein 34-prozentiger Gewinnsprung konnte die BP-Titel ebenfalls nicht im positiven Terrain halten. Sie verloren am Vormittag 0,8 Prozent. Der Ölkonzern hatte bei Vorlage der Zahlen gewarnt, dass verschärfte westliche Sanktionen gegen Russland das Geschäft beeinträchtigen könnten. BP ist mit seiner knapp 20-prozentigen Beteiligung am Ölförderer Rosneft der mit Abstand größte ausländische Investor in Russland. Reuters

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