Börse : Apple-Aktie auf Höhenflug

Mit einem rasanten Endspurt krönt die Aktie des Computer- und Software-Unternehmens ihr erfolgreiches Jahr 2007. Viele Analysten glauben: Es geht weiter nach oben.

Roland Fre
Steve Jobs
Apple-Gründer Steve Jobs kann sich nach oben orientieren. -Foto: dpa

Cupertino/New YorkAngetrieben von der Euphorie um das iPhone und Berichten über kommende neue Geräte und Dienste übersprang das Papier im Dezember schon mehrmals im Handelsverlauf die Marke von 200 Dollar. Auch ein Schlussstand auf diesem Rekordniveau ist laut Experten möglich. Seit Jahresbeginn steigerte Apple seinen Börsenwert um fast 140 Prozent auf rund 175 Milliarden Dollar (119 Mrd Euro).

Apple zählt mittlerweile zu den wertvollsten Technologie-Aktien noch vor Giganten wie Cisco und Intel. Dabei erzielt die Kultfabrik aus Cupertino (Kalifornien) weit weniger Umsatz und Profit. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 halten einige Experten die an der Computerbörse Nasdaq notierte Aktie daher für überbewertet. Aktionäre freuen sich: Unter den im S&P-Index notierten 500 größten US-Titeln schaffte es Apple mit seinem Kursplus dieses Jahr locker in die Top 10. Im Schnitt sehen Analysten das Preisziel laut Thomson Financial bei 210 Dollar - Optimisten halten auch 250 Dollar für bald möglich.

Ausgeklügeltes Marketing

Das Erfolgsrezept: Moderne Technik, leichte Bedienbarkeit und ansprechendes Design gepaart mit einem ausgeklügelten Marketing. Apple versteht es wie kaum ein anderes Unternehmen, den Hype um seine Produkte laufend anzuheizen. Die gekonnt inszenierte Show steht laut Experten für einen Gutteil des Börsenerfolgs. So kündigte Apple-Chef Steve Jobs das neue iPhone-Handy spektakulär im Januar an, im Sommer folgte dann der US-Start, zum Weihnachtsgeschäft kam es nach Europa. Freudige Überraschungen bietet Apple auch regelmäßig den Aktionären: Der Gewinn übertrifft zumeist die Analystenerwartungen.

Dabei hat der heutige Börsenliebling einen bitteren Überlebenskampf hinter sich. Vor rund zehn Jahren lag das Unternehmen am Boden. In der Not übernahm der einst geschasste Firmenmitbegründer Jobs erneut das Ruder und ließ Apple wie Phönix aus der Asche auferstehen. Den Durchbruch brachte der Musikplayer iPod samt Online-Shop iTunes.

Kompliment vom Konkurrent

Mehr denn je gilt heute: Steve Jobs ist Apple und Apple ist Steve Jobs. Erst neulich kürte das US-Magazin "Fortune" den 52-Jährigen zum einflussreichsten Manager der Welt. Mit Technologien wie Mac-Computer und iPhone habe er über Jahrzehnte mehrere Branchen revolutioniert. Selbst Erzrivale Bill Gates von Microsoft räumte einmal ein, Jobs habe einen ausgeprägten Sinn für Menschen und Produkte.

An der Spitze werde die Luft aber auch für Apple dünner, warnen einige Analysten. Auf neuen Märkte wie beim iPhone warteten auch neue Wettbewerber. "Apple konkurriert nun mit Handyherstellern, die diesen Markt besser kennen", sagt Tech-Analyst Robert Enderle. Auch mit dem erfolgreichen Blackberry-Produzenten RIM kommt Apple zunehmend über Kreuz. RIM drängt ins Privatkunden-Geschäft und das iPhone soll einmal dem Platzhirsch Blackberry im Business-Bereich Konkurrenz machen. Und selbst ein Überflieger ist vor möglichen Flops nicht gefeit. So wartet AppleTV, ein Gerät, das Musik und Videos vom Computer und aus dem Internet ins Wohnzimmer bringt, noch auf seinen Durchbruch.

Gespannt blicken Apple-Fans und Börsianer nun auf die Hausmesse Macworld Mitte Januar in San Francisco. Vor der alljährlichen Show mit Kultstatus stieg die Aktie meist kräftig an. Jobs zaubert bei seinen legendären Auftritten gern überraschende Neuheiten aus dem Hut - zuletzt das iPhone. Diesmal tippen Insider etwa auf ein super-flaches Notebook. Auch von einem Online-Videoverleih via iTunes wurde zuletzt berichtet. Goldman-Sachs-Analyst David Bailey ist überzeugt: "Es kann immer sein, dass Apple etwas ankündigt, an das vorher niemand gedacht hatte." (feh/dpa)

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