Wirtschaft : Börse: Beim Paketverkauf wird der Handel diskret umgangen

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Manchmal muss es an der Börse streng vertraulich zugehen. Während auf dem Parkett Käufer und Verkäufer um den besten Preis für ihre Aktien feilschen, fädeln Investmentbanker hinter den Kulissen die wirklich großen Deals ein. Die übliche Preisfindung wird dabei ganz diskret außer Kraft gesetzt. So genannte Blocktrades, also der Verkauf von großen Aktien-Paketen an institutionelle Investoren wie Fondsgesellschaften, Banken oder Versicherungen, werden nicht zu Markte getragen, sondern außerhalb der Börse abgewickelt. Der Grund für die legale Geheimnistuerei liegt an der meist großen Zahl von Aktien, die verkauft oder gekauft werden sollen. Stünden etwa Millionen von Aktien eines Unternehmens auf einen Schlag zum Verkauf, würden die aktuellen Preisvorstellungen der Marktteilnehmer aus dem Lot geraten. Das Kursniveau müsste drastisch sinken, um das Überangebot mit der Nachfrage in Einklang zu bringen.

Schnell, vertraulich und den Kurs schonend - so sollten Paketgeschäfte eigentlich ablaufen. Die Deutsche Bank demonstrierte jüngst, was in der Praxis schief laufen kann: Der Paketverkauf von 44 Millionen T-Aktien aus dem Bestand des Hongkonger Mischkonzerns Hutchison Whampoa wurde zum falschen Zeitpunkt bekannt und brachte die Telekom-Papiere zum Absturz. Der Grund: Die Deutsche Bank hatte offenbar nur einen Teil des Pakets außerbörslich untergebracht und musste den Rest offen am Markt platzieren. Die Börsianer konnten sich das plötzliche Überangebot von T-Aktien nicht erklären. Panik brach aus, und Telekom-Aktien wurden verkauft. Die Deutsche Bank, die das Papier kurz vorher zum Kauf empfohlen hatte, verteidigt sich: Eine Verkaufsempfehlung einer großen Investmentbank habe den Kurs ins Rutschen gebracht.

In jedem Fall dürften die Banker weitaus weniger verdient haben als erhofft. In der Regel nimmt die Investmentbank beim Blocktrade dem Verkäufer das Aktienpaket zu einem Preis ab, der etwas niedriger als der aktuelle Börsenkurs ist. Die Banker hoffen darauf, dass sie beim Weiterverkauf einen höheren Preis erzielen und so an der Transaktion verdienen. Im Fall der Telekom ging dieses Kalkül nicht auf.

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