Wirtschaft : Börse bleibt in Champagnerlaune

Deutsche Aktien haben zur Rekordjagd angesetzt / Weitere Gewinnmitnahmen erwartet BERLIN (cbu).Zum Wochenschluß ging dem Dax dann doch noch die Luft aus.Am letzten Freitag beschloß das Börsenbarometer die Woche mit einem Minus von 1,15 Prozent bei 4496 Punkten.Vorausgegangen war eine beispiellose Rekordjagd.Dreimal erreichte der Dax in den letzten sieben Tagen ein historisches Hoch und übersprang dabei deutlich die Marke von 4500 Punkten.Auch andere internationale Börsenplätze, etwa London, Paris und Zürich, meldeten Allzeit-Höchststände. Die anhaltende Champagnerlaune der Börsianer ist umso verwunderlicher, als das wirtschaftliche Umfeld doch alles andere als günstig ist.In Deutschland erreichte die Arbeitslosigkeit mit über 4,8 Millionen Menschen einen neuen bedrückenden Nachkriegsrekord.Der Streit zwischen den USA und dem irakischen Diktator Saddam Hussein spitzt sich weiter zu, sodaß mittlerweile ein neuer Golfkrieg nicht mehr ausgeschlossen werden kann.Die Krise in Asien ist noch nicht ausgestanden, auch wenn sich in der vergangenen Woche die Börsen in Fernost wieder erholen konnten.Auch die Sexaffäre um US-Präsident Bill Clinton ist noch immer nicht aus den Schlagzeilen der Weltpresse verschwunden.Dazu kommt: Der Dollar als internationale Leitwährung schwächelte in der vergangenen Woche, die Kurse rutschten deutlich unter 1,80 DM.Das alles konnte die Börsianer nicht stören.Startschuß für den Höhenflug der Aktien war die Megafusion der Pharmakonzerne Smithline Beecham und Glaxo Wollcome.Durch den Zusammenschluß soll eines der größten Unternehmen der Welt entstehen.Die Anleger stürzten sich daraufhin auf Pharma- und Chemieaktien, die vom Börsenboom im vergangenen Jahr bisher wenig profitieren konnten und zusätzlichen Nachholbedarf haben.Die Notierungen von Bayer und Hoechst stiegen im Wochenvergleich um mehr als zehn Prozent.Immer neue Fusionsgerüchte heizten die Stimmung weiter an: Einmal hieß es, die schweizerische Hofmann-LaRoche wolle Hoechst übernehmen, am nächsten Tag machten Mutmaßungen die Runde, Hoechst sei an Bayer interessiert.Auch Übernahmespekulationen im Bankensektor - es gab Gerüchte über eine Fusion von Deutscher Bank und der Credit Suisse First Boston - gaben den Kursen Auftrieb. Anleger sollten angesichts der Bergfahrt der Kurse Vorsicht walten lassen, obwohl einige Analysten schon jetzt einen Dax von 5000 Punkten für möglich halten.Gewinnmitnahmen könnten kurzfristig zu Rückschlägen führen.Wie dünn die Börsenluft in diesem Daxhöhen ist, und wie nervös der Markt ist, zeigte sich in der vergangenen Woche an der Entwicklung des Software-Unternehmens SAP.Die Ankündigung von SAP-Vorstandschef Dietmar Hopp, vom Vorstand in den Aufsichtsrat zu wechseln, ließ die Aktie nach unten rutschen.Die Börse befürchtete, Hopp würde sich auch von einem Teil seiner Aktien trennen.

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