Wirtschaft : Börse: Der Börse geht der Nachwuchs nicht aus

Bernd Frank

2000 wird an der Börse nicht nur als Crash-Jahr in Erinnerung bleiben, sondern auch als ein Jahr der Börsengänge. Neben den Großemissionen T-Online, Infineon und Deutsche Post stechen auch kleinere wie die Fußball-Aktie Borussia Dortmund heraus. Die rund 170 Börsengänge stehen dem Rekordjahr 1999 kaum nach, am Neuen Markt gab es mit etwa 140 so viele wie noch nie. Unternehmen holten sich so über 50 Milliarden Mark. Nur 1996 war das Volumen höher, als die T-Aktie alle Rekorde brach.

Versiegt nicht langsam der Strom der Unternehmen, die sich aufs Parkett wagen - und gibt es angesichts der vielen Kurseinbrüche genügend Anleger, die sich noch locken lassen? Einige Unternehmen haben ihren Börsengang auf 2001 verschoben, viele andere machen sich noch fit. Dazu kommen Spin-offs - Firmen gliedern Geschäftsbereiche aus und bringen sie separat an die Börse. Von Unternehmensseite spricht also nichts für Ebbe bei Börsengängen. Das Argument, dass die Anleger - und auch die Emissionsbanken - vorsichtiger agieren werden, ist schon stichhaltiger. In der Flut der Neulinge waren bisher viele dabei, die noch nicht börsenreif - oder überteuert - waren. Jetzt wird viel stärker ausgewählt. Anleger überlegen sich zweimal, wem sie ihr Geld anvertrauen. Bisher gut gelaufene Branchen wie Biotechnologie oder Logistik werden damit weniger Probleme haben als etwa die Internet-Branche. Insgesamt dürfte die Zahl der Neuemissionen 2001 sinken, aber noch deutlich über 100 liegen. Für Anleger bedeutet weniger in diesem Fall mehr: Die Qualität der Börsengänge wird voraussichtlich zunehmen.

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