Wirtschaft : Börse: Der Neue Markt kommt nicht zur Ruhe

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Unsicherheit hat am Montag die Stimmung an den Aktienmärkten geprägt. Der Neue Markt fiel dem Trend der Vorwoche folgend auf neue Tiefstände, erholte sich am Nachmittag aber wieder. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer Dax notiert um 0,16 Prozent höher bei 5872 Punkten. Spekulationen über die Kapitalerhöhung beim Halbleiterhersteller Infineon belasteten die Kurse.

Die Furcht vor weiteren Gewinnwarnungen hat am Montag nach Händlerangaben einen erneuten Kursrutsch bei den europäischen Technologiewerten ausgelöst. Große Aufmerksamkeit erregten die Kursverluste bei den Dax-Titeln Infineon und Siemens, die im Tagesverlauf auf Jahrestiefstände einbrachen. Der Grund: Die geplante Kapitalerhöhung von Infineon steht einem Zeitungsbericht zufolge in Frage. Das Handelsblatt hatte berichtet, Siemens könne bei einer Absage der geplanten Kapitalerhöhung Kredite bei Infineon verlängern. Hinzu kamen Gerüchte, dass Siemens möglicherweise eine Gewinnwarnung ausgebe.

"Mit den ganzen Gewinnwarnungen in den USA und den anstehenden Quartalsgewinnen ist die Stimmung negativ", sagte Peter van Kleef, Senior Trader bei Credit Lyonnais. "Wir hinken dem Konjunkturzyklus der USA hinterher. Ich denke, dass in den USA der Boden langsam erreicht ist. Die Meinung bei uns ist dagegen, dass das Dickste noch kommt." Es sei durchaus möglich, dass der Dax bis auf 5400 Punkte fällt.

In dieser Woche wird in den USA die neue Berichtssaison eingeläutet. Motorola, Yahoo und Netzwerkspezialist Advanced Micro Devices machen den Anfang. Mit größerer Spannung als die Quartalszahlen erwarten Anleger jedoch den Ausblick der Unternehmen für das laufende Jahr. Enttäuschen die Manager, dürfte die Talfahrt an den Börsen anhalten. Fürs Erste nutzten Anleger den Kursrückgang an der Wall Street jedoch, um sich mit Aktien einzudecken. Sie hoffen, dass die sechs Zinssenkungen der US-Notenbank die Konjunktur bald beleben werden. Der Nasdaq Composite Index kletterte um 24 Punkte auf 2028 Zähler und unterbrach damit den Abwärtstrend der vergangenen vier Handelstage.

Das half auch den europäischen Aktien. Dennoch sank der Dow Jones Technologieindex für die europäischen Technologiewerte um vier Prozent und verbuchte damit unter allen Sektoren den mit Abstand größten Abschlag. Die Liste der Verlierer wurde von den Aktien des finnischen Handyproduzenten Nokia angeführt. Die Titel rutschen um mehr als sieben Prozent. Die WestLB Panmure stufte die Titel auf "verkaufen" zurück. Händler sagten zudem, nachdem die Investmentbank Morgan Stanley ihre Gewinnschätzung für den französischen Telekom- Ausrüster Alcatel gesenkt habe, würden Sorgen über eine weitere Abschwächung im europäischen Technologiesektor zunehmen.

Im Dax fielen die Titel von Infineon und Siemens mit deutlichen Kursverlusten auf. Die Pläne des Halbleiterproduzenten Infineon, sich mit der Platzierung neuer Aktien Kapital zu verschaffen, stehen offenbar in Frage. Große Fonds hätten Infineon-Chef Ulrich Schumacher nur einen Kaufpreis von weniger als 25 Euro pro Aktie geboten. Das Unternehmen wolle aber mindestens 27 Euro erzielen. "Die Aktie wird nicht zu jedem Preis platziert. Es gibt auch noch andere Optionen, an Geld zu kommen", sagte ein Unternehmenssprecher. Jetzt soll die Konzernmutter Siemens helfen. Infineon notierte mit 2,59 Prozent im Minus bei 25,96 Euro. Siemens-Titel gaben ebenfalls nach und verloren 2,76 Prozent auf 62,27 Euro.

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