Wirtschaft : Börse: Deutsche Aktien sinken auf ein Jahrestief

Schlechte Stimmung an den Börsen und dürftige Konjunkturaussichten haben den wichtigsten deutschen Aktienindex Dax am Donnerstag auf ein Jahrestief sinken lassen. Besonders die Titel der Telekom und des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer standen unter Druck. Die deutsche Wirtschaft stagniert unterdessen nur noch, schreibt die Bundesbank. Erst eine bessere US-Konjunktur könne ab 2002 einen Aufschwung bringen.

Der Dax rauschte am Donnerstag auf ein neues Jahrestief. Deutliche Kursverluste der T-Aktie, von Bayer und den Technologietiteln trieben den Index unter den Stand vom 22. März 2001. Zuletzt betrugen die Verluste 1,30 Prozent auf 5385 Zähler. Charttechniker befürchten nun einen Absturz auf 5100 Zähler. Auch der Nemax All Share fiel auf ein neues Jahrestief.

Auf den Bayer-Konzern rollt nach dem Rückruf seines Cholesterin-Senkers Lipobay/Baycol in den USA eine Klagewelle zu. Mögliche Forderungen in Millionen-Höhe brachten die Bayer-Aktie erneut unter Druck. Das Papier rutschte zeitweise unter 32 Euro. Als Folge der Krise will der Konzern seinen Börsengang in den USA auf Februar kommenden Jahres verschieben. Anfang der Woche hatte Konzernchef Manfred Schneider noch gesagt, der für Ende September geplante Börsengang stehe nicht in Frage. Auch die Aktien der Deutschen Telekom beschleunigten ihre Talfahrt. Die Papiere büßten 5,60 Prozent auf 18,05 Euro ein. Ein baldiges Ende des Kursverfalls ist nicht in Sicht, da in den kommenden zwölf Monaten bis zu 800 Millionen T-Aktien auf den Markt drängen könnten, rund die Hälfte des Streubesitzes. Auch die gestiegenen Verluste der übernommenen US-Mobilfunkfirmen Voicestream und Powertel belasteten den schwersten deutschen Börsenwert. "Man sollte die Finger von den Aktien der Telekom lassen", riet ein Händler. Auch der Kurs des Fahrzeugbauers MAN geriet zeitweise stark unter Druck, nachdem es Unregelmäßigkeiten bei einer britischen Tochterfirma gegeben hatte.

Die Börsianer hoffen nun auf Signale für eine Trendwende. Die könnten kommenden Dienstag von der US-Notenbank Fed kommen, die möglicherweise die Leitzinsen senkt. Der Grund: Die Risiken einer Inflation sind zurückgegangen - nach den Erzeugerpreisen sind auch die Verbraucherpreise in den USA im Juli unerwartet gesunken, und zwar um 0,3 Prozent, verglichen mit dem Vormonat. Es war der stärkste monatliche Rückgang seit April 1986, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mit. In den vergangenen zwölf Monaten stiegen die Preise damit insgesamt um 2,7 Prozent. Die US-Wirtschaft war im zweiten Quartal nur um 0,7 Prozent gewachsen.

Eine Zinsschritt in den USA könnte auch der deutschen Wirtschaft mehr Dynamik verleihen. Nach Ansicht der Deutschen Bundesbank ist das Wachstum im Frühjahr zum "Stillstand" gekommen. "Gleichwohl ist es aber kaum angebracht, die deutsche Wirtschaft bereits auf Rezessionskurs (siehe Seite 16) zu sehen", schreiben die Volkswirte im neuen August-Monatsbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Sie sehen vielmehr Signale dafür, dass die Wirtschaft bereits Anfang 2002 wieder auf einen Wachstumskurs einschwenkt. Die Zuversicht dafür schöpfen die Volkswirte aus einer sinkenden Inflationsrate, aus niedrigeren Öl- und Lebensmittelpreisen sowie aus steigenden Einkommen der Haushalte. Der Schlüssel für einen Aufschwung liege aber in den USA. "Eine globale Erholung ist erst zu erwarten, wenn die US-Konjunktur Fahrt aufnimmt", heißt es. Von einem Vorziehen der Steuerreform zur Stärkung der Konjunktur hält die Bundesbank nichts. Die Erfahrung zeige, dass solche schuldenfinanzierten Programme meist erfolglos blieben.

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