Wirtschaft : Börse enttäuscht über Daimler-Chrysler

Nach Quartalszahlen und Jahresausblick rutscht die Aktie ab / Smart-Sanierung drückt Ergebnis

Alfons Frese

Berlin – Mit großer Enttäuschung hat die Börse auf die jüngsten Geschäftszahlen von Daimler-Chrysler reagiert. Die Aktie des Automobilkonzerns verlor am Donnerstag fast vier Prozent und damit mehr als jeder andere im Dax notierte Wert. Zuvor hatte das Unternehmen die Daten des ersten Quartals veröffentlicht und einen Ausblick für das gesamte Jahr gegeben. Danach erwartet der deutsch- amerikanische Konzern 2006 „eine Verbesserung der Ertragslage und einen Operating Profit von über sechs Milliarden Euro“ nach 5,2 Milliarden Euro 2005.

Der Ausblick liege im Rahmen der Erwartungen, sagte Autoanalyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Die Reaktion der Börse nannte er „völlig überzogen“. Unter dem seit Anfang Januar amtierenden Konzernchef Dieter Zetsche „stimmt die Richtung und es geht weiter aufwärts“, meinte Stürzer auf Anfrage.

Der Daimler- Chrysler-Aufsichtsrat wählte den früheren Daimler-Manager Manfred Bischoff als Nachfolger des ehemaligen Bayer-Chefs Manfred Schneider in den Präsidialausschuss des vierköpfigen Kontrollgremiums. Die Nominierung ist ein weiterer Hinweis auf die künftige Besetzung der Aufsichtsratsspitze: Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper scheidet in einem Jahr aus und Bischoff gilt als Favorit für die Nachfolge.

In der Gewinnprognose für das laufende Jahr hat der Konzern besondere Belastungen berücksichtigt. So wird die Einstellung des Smart forfour mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt. Weitere 500 Millionen Euro sind für den Abbau von Verwaltungsfunktionen und Managementkapazitäten vorgesehen. Dabei will Zetsche weltweit 6000 Arbeitsplätze in der Verwaltung streichen. Weitere 400 Millionen Euro braucht das Unternehmen für den Stellenabbau in den deutschen Mercedes-Werken. Bis September sollen 8500 Mitarbeiter mit Abfindungen das Unternehmen verlassen. Von den dafür erforderlichen 950 Millionen Euro hatte das Unternehmen 550 Millionen Euro bereits 2005 verbucht.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2006 erreichte Daimler-Chrysler ein operatives Ergebnis von 891 (Vorjahrszeitraum: 628) Millionen Euro. Der weltweite Fahrzeugabsatz stieg um sechs und der Umsatz sogar um 17 Prozent; die Zahl der Mitarbeiter fiel dagegen um rund 20 000 auf 369 000, was mit dem Stellenabbau bei Mercedes und Smart sowie dem Verkauf der MTU–Dieselmotoren (mit 7000 Beschäftigten) zusammenhängt. In den Geschäftsfeldern erreichte der Konzern folgend Resultate:

Die Mercedes Car Group , zu der neben der Kernmarke Mercedes noch Smart und Maybach gehören, machte einen Quartalsverlust von 678 Millionen Euro. Der Verlust ergab sich auf Grund der Aufwendungen für die Einstellung des Smart forfour, die mit 982 Millionen Euro verbucht wurden. Durchaus positiv entwickelte sich zwischen Januar und März der Absatz. Vor allem wegen der Erfolgs der neuen M-, B- und S-Klasse verkaufte Mercedes mit 255 000 Fahrzeugen 16 Prozent mehr als im ersten Quartal 2005. Die Chrysler Group setzte 691 000 Autos und damit vier Prozent mehr ab als vor einem Jahr. Auf Grund des Wettbewerbs in den USA, der von enormen Verkaufsrabatten geprägt ist, sank das operative Ergebnis von 252 auf 119 Millionen Euro. Das in der Truck Group zusammen gefasste Lkw-Geschäft kam im ersten Quartal auf einen operativen Gewinn von 426 Millionen Euro und damit in etwa auf Vorjahresniveau. Die Financial Services steigerten dagegen den Gewinn von 328 auf 448 Millionen Euro. Schließlich kam das Segment Van, Bus, Other auf ein Ergebnis von 423 (234) Millionen Euro, allerdings inklusive 234 Millionen Euro aus dem Verkauf der MTU-Motoren.

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