Wirtschaft : Börse honoriert Autobauer

SUSANNE WESCH[STEPHAN GRÜ] SVEN AFHÜPPE[STEPHAN GRÜ]

Die Branche verdient nach der Flaute endlich wieder gutes GeldVON SUSANNE WESCH, SVEN AFHÜPPE, STEPHAN GRÜHSEM (HB)Die Automobilwerte haben die Börsianer zuletzt in Atem gehalten.Geht es nach den Analysten, wird sich daran auch in den kommenden Wochen nichts ändern.Fast täglich warten die deutschen Fahrzeughersteller mit neuen Rekordmeldungen auf.Erstmals seit Jahren, und das freut die Anleger besonders, können die Autoschmieden dabei auch auf neue Spitzenwerte in puncto Erträge verweisen.Und die Aussichten sind weiterhin gut. Für "die attraktivste Investition in der Branche" hält Alexander Metz, Analyst bei der SGZ-Bank in Frankfurt, die Daimler-Benz-Aktie.Das Papier werde noch im Verlaufe dieses Jahres die 200 DM deutlich überschreiten, glaubt Metz.Der Konzern profitiere vom günstigen Dollar."Die Nutzfahrzeuge sind Marktführer in Europa, und Airbus nimmt Boeing inzwischen Marktanteile ab", begründet er seine Empfehlung.Auch die Produktoffensive des vergangenen Jahres werde sich weiterhin positiv auswirken.Optimismus, den Michael Klein vom Bankhaus Delbrück & Co nicht teilt.Das Smart-Projekt sei "sehr riskant", und die geplante Jahresproduktion von 200 000 Stück erscheint ihm als zu hoch gegriffen.Dennoch sieht auch Klein noch Potential: "Eventuell kann die neue S-Klasse für eine positive Überraschung sorgen." Im Herbst werden die Stuttgarter ihr jüngstes Flaggschiff präsentieren, das in dem traditionell ertragsstarken Luxus-Segment für neue Impulse sorgen soll. Beim Konkurrenten BMW, der in der vergangenen Woche gemeinsam mit Volkswagen zu den Shooting-Stars auf dem Börsenparkett gehörte, sind die Analysten ebenso optimistisch.Der rapide gestiegene Kurs spiegelt einerseits die gewachsene Stärke des Unternehmens wider, macht den Wert für Einsteiger aber vorübergehend uninteressant."Wenn die Aktie bei etwa 1400 DM liegt, wird sie für den Anleger wieder attraktiv", erklärt Delbrück-Analyst Klein. Georg Sturzer von der Bayerischen Vereinsbank in München hält generell "alle deutschen Automobilaktien für Outperformer".Bei BMW nähre ein nach wie vor starkes Kerngeschäft die positiven Erwartungen.Voraussichtlich erstmals sinkende Verluste bei der britischen Tochter Rover würden zudem das Ertragswachstum des Konzerns beschleunigen. Trotz der Verdoppelung des Gewinns herrscht in der Finanzwelt immer noch Unsicherheit über die Zukunft von Volkswagen.Zwar ist auch SGZ-Analyst Alexander Metz davon überzeugt, daß die Plattformstrategie endlich greift und großes Potential für die Zukunft bietet, doch gibt es Zweifel an den Expansionsplänen von Vorstandschef Ferdinand Piëch.Dessen Interesse an der britischen Nobelmarke Rolls Royce kann Metz nicht nachvollziehen.Durch diesen Deal schaffe sich das Unternehmen Konkurrenz im eigenen Hause: Audi habe sich in den letzten Jahren ein gutes Image aufgebaut.Deswegen sei es viel sinnvoller, diese Marke auszubauen.Metz hat zudem noch einen weiteren Aspekt ausgemacht: die massiven Anlaufprobleme bei der Produktion der jüngsten Golf-Generation.Tatsächlich ist die Präsenz dieses für Volkswagen immens wichtigen Modells mehr als bescheiden.Wegen mehrerer Nachbesserungen ist die Auslieferung in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten."Das drückt auf die Stimmung", kündet Metz von den Bedenken in der Finanzwelt. Eine Sonderrolle nimmt Porsche ein.Die Aktie des Zuffenhausener Sportwagenherstellers hat nach Analystenmeinung einen Haken: "Sie ist einfach zu teuer", urteilt Peter Seppelfricke von M.M.Warburg & Co.nüchtern über das Papier.Außerdem: "Man muß vor allem berücksichtigen, daß Porsche wegen der hohen Verlustvorträge immer noch keine Steuern zahlt.Das wird wohl erst zur Jahrtausendwende wieder der Fall sein", fügt Seppelfricke hinzu.Er empfiehlt, das Papier zu halten. Diese Empfehlung gibt auch Michael Klein vom Bankhaus Delbrück & Co."Zwar ist die Jahresproduktion von Porsche bereits ausverkauft, aber das wurde in den Gewinnschätzungen berücksichtigt." Mit positiven Überraschungen sei daher wohl kaum noch zu rechnen, vor allem auf der Kostenseite sei der Spielraum ausgereizt.SGZ-Analyst Metz sieht die Talsohle der frühen 90er Jahre zwar auch hier durchschritten, aber der Aktien-Kurs lasse kaum noch Phantasien zu. Die aufwärts gerichteten Ertragsperspektiven der deutschen Hersteller täuschen nach Ansicht vieler Analysten nicht darüber hinweg, daß in den wichtigen Automärkten Westeuropa, USA und Japan keine nennenswerten Steigerungsraten mehr zu erwarten sind.Auf dem von der Finanzkrise gebeutelten asiatischen Markt rechnen sie sogar mit einem Einbruch um mindestens 10 Prozent.Vor dem Hintergrund des geringen Marktwachstums ist es daher von entscheidender Bedeutung, daß die deutschen Anbieter mit ihren Produkten wieder konkurrenzfähig in Preis und Leistung sind.

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