Wirtschaft : Börse honoriert stabiles SAP-Geschäft

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Der Walldorfer Softwarekonzern SAP rechnet nicht mit einer baldigen Trendwende bei der Nachfrage nach Unternehmenssoftware. Die im Oktober deutlich nach unten korrigierte Umsatzprognose für 2001 konnte das Unternehmen gleichwohl leicht übertreffen. Nach einer ersten Analyse der Geschäftszahlen dürfte das Umsatzwachstum mehr als 16 Prozent betragen haben, teilte SAP am Mittwoch mit. Begründet wurde das Plus mit einem unerwartet hohen Softwarelizenzumsatz, der im vierten Quartal bei mehr als einer Milliarde Euro gelegen habe. Damit sorgte SAP bei Analysten für eine Überraschung, die mit einem deutlich schlechteren Ergebnis gerechnet hatten.

SAP geht davon aus, dass im vergangenen Jahr - wie vorausgesagt - eine operative Rendite von etwa 20 Prozent erzielt werde. Damit erreicht das Unternehmen etwa ein Niveau wie im Vorjahr. An der Börse sorgten die Nachrichten für eine zeitweise stürmische Nachfrage nach SAP-Aktien. Am Nachmittag lag der Kurs des Software-Titels um elf Prozent höher bei 164,50 Euro. Am Markt waren zuletzt Gerüchte umgegangen, SAP habe Probleme, seine gesenkten Prognosen noch zu erreichen. Das Gegenteil ist nun der Fall. Offenbar ist es dem Konzern besser als anderen gelungen, trotz der Konjunktur-Krise sein Geschäft mit Softwarelizenzen in Europa auszuweiten.

Einige Banken stuften nach Bekanntgabe der Zahlen die SAP-Aktie herauf. Die kurzfristigen Bedenken für SAP sollten durch die jüngsten Daten gemildert werden, hieß es bei ABN Amro. Zwar sei die Aktie bei einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 37 auf der Basis der für 2003 erwarteten Gewinne nicht gerade preiswert. Der bessere Ausblick rechtfertige aber eine positivere Einschätzung des SAP-Papiers. BNP Paribas erhöhte das Kursziel von 155 auf 185 Euro. Auch die Prognose für den Gewinn je Aktie werde für 2001 von 2,40 auf 2,60 Euro angehoben. 2002 würden jetzt 3,47 statt 3,30 Euro je Aktie erwartet.

Das am Mittwoch von SAP in Aussicht gestellte Wachstum würde bedeuten, dass der Umsatz des Walldorfer Konzerns im vergangenen Jahr trotz schwacher Konjunktur auf mehr als 7,27 Milliarden Euro gestiegen ist. Im Jahr 2000 hatte der Konzern bei einem Umsatz von rund 6,27 Milliarden Euro einen operativen Gewinn ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten von 1,235 Milliarden Euro erwirtschaftet, was einer operativen Rendite von knapp 20 Prozent entspricht.

Die nun leicht übertroffene Umsatzprognose hatte SAP im Oktober veröffentlicht, damals hatte das Unternehmen seine Geschäftserwartungen nach unten korrigiert. Für 2001 sagte der Konzern damals ein Umsatzwachstum von 15 Prozent und eine operative Rendite von etwa 20 Prozent voraus. Ursprünglich hatte der Konzern für das vergangene Jahr eine Renditesteigerung um bis zu zwei Prozentpunkte erwartet. Die genauen Geschäftszahlen für das Jahr 2001 will SAP am 23. Januar veröffentlichen.

Zur weiteren Geschäftsentwicklung teilte SAP mit, das Marktumfeld werde zunächst schwierig bleiben. "Auf Grund der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung ist damit zu rechnen, dass Kunden weiterhin vorsichtig in Unternehmenssoftware investieren werden", hieß es. Einen Geschäftsausblick für das laufende Jahr legte das Unternehmen nicht vor. Nach Angaben eines Sprechers wird sich SAP voraussichtlich bei der Vorlage der genauen Zahlen für 2001 Ende Januar ausführlicher über die Erwartungen für die kommenden Quartale äußern.

SAP hatte wie andere Unternehmen der Branche unter der Zurückhaltung bei Technologie-Investitionen gelitten. Ende 2001 hatten Manager von SAP dann wieder von einer Erholung des wichtigen US-Geschäftes gesprochen. Wegen der schlechteren Konjunktur mussten rund 300 Arbeitsplätze abgebaut werden.

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