Wirtschaft : Börse honoriert Zahlen von Daimler-Chrysler Analysten zufrieden/Bosch zahlt Schadenersatz

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Berlin Analysten und Anleger haben am Mittwoch positiv auf die jüngsten Geschäftszahlen von Daimler-Chrysler reagiert. Die Aktie verteuerte sich zeitweise um 2,5 Prozent und schloss bei 41,51 Euro noch um 1,77 Prozent über dem Vortagsniveau. Der operative Gewinn hatte sich im dritten Quartal, wie berichtet, um 38 Prozent auf 1,84 Milliarden Euro erhöht. Georg Stürzer, Autoanalyst bei der Hypo-Vereinsbank, lobte die Quartalszahlen, weil es „endlich mal einen Gleichklang“ aller Geschäftsbereiche gebe. Tatsächlich konnten drei von vier Unternehmensbereichen ihren Gewinn steigern. Nur in der Sparte Financial Services sank das operative Ergebnis wegen steigender Zinsen in den USA von 412 auf 408 Millionen Euro. „Der Bereich liegt erheblich über meinen Erwartungen“, sagte Stürzer.

Daimler-Chrysler- Finanzvorstand Bodo Uebber sprach am Mittwoch im Rahmen einer Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten von einem „guten Quartal“. Er hob hervor, dass vor allem Mercedes die Trendwende trotz hoher Benzin- und Stahlpreise erreicht habe. Das Sparprogramm Core, das im Frühjahr vom damaligen Mercedes-Chef Eckard Cordes eingeführt wurde, sei auf gutem Wege. Uebber bekräftigte das Ziel, binnen zwölf Monaten 8500 Arbeitsplätze in den deutschen Mercedes-Werken abbauen zu wollen. Dafür veranschlagt Daimler-Chrysler Abfindungskosten von 950 Millionen Euro. Dieses Geld soll der Verkauf des Großmotorenherstellers MTU Friedrichshafen bringen. Der Verkaufserlös dürfte bei gut einer Milliarde Euro liegen. Daimler-Chrysler hatte kürzlich den Familiengesellschaftern von MTU Friedrichshafen ihre Anteile von 11,65 Prozent für 171 Millionen Euro abgekauft. Jetzt hält der Konzern 100 Prozent und verhandelt mit drei Fonds über den komplettenVerkauf.

Hinsichtlich der hohen Gesundheitskosten für die Chrysler-Beschäftigten forderte Finanzvorstand Uebber die amerikanische Autogewerkschaft zur Gleichbehandlung auf: Die Gewerkschaft hatte kürzlich dem Drängen von General Motors nachgegeben und einer Kürzung der Gesundheitsausgaben um drei Milliarden Dollar jährlich zugestimmt. Da Uebber zufolge die Big Three, also General Motors, Ford und Chrysler, „traditionell“ von der Gewerkschaft gleich behandelt würden, erwarte auch Daimler-Chrysler einen Nachlass. Sobald die Details bei General Motors vorlägen, werde das Unternehmen das Gespräch mit der Gewerkschaft suchen.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich der Konzern mit seinem Lieferanten Bosch über eine Schadenersatzzahlung geeinigt hat. Anfang des Jahres hatten fehlerhafte Einspritzpumpen für Dieselmotoren die Produktion bei Mercedes, BMW und Audi beeinträchtigt. Damals war von einem Gesamtschaden von weit über 100 Millionen Euro die Rede. Über die genaue Summe, die nun von Bosch an die Autokonzerne geflossen ist, vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen. Daimler-Chrysler hat laut dem aktuellen Bericht im dritten Quartal 130 Millionen Euro aus Regressansprüchen eingenommen. Dahinter verbergen sich nach Meinung von Branchenexperten zum großen Teil die Zahlungen von Bosch. alf

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