BÖRSE IM MAI Optimisten geben den Ton an : Anleger wollen immer mehr

Henrik Mortsiefer

Der Monat Mai war für Anleger ein Wonnemonat: Sieben Prozent oder 500 Punkte hat der Dax gewonnen – und die Optimisten wollen immer mehr. Sie nehmen ein berühmt-berüchtigtes Ziel ins Visier: 8064 Punkte. Am 7. März 2000 schloss der Dax auf diesem bisher höchsten Stand. Kaum jemand an der Börse zweifelt aktuell daran, dass der alte Rekord bald erreicht und übertroffen wird.

Es gilt allerdings vorher noch ein paar Hürden zu nehmen. Die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) weisen auf die „psychologische Barriere“ von 8000 Punkten hin, die am Freitag bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe in greifbare Nähe rückte. „Das darüber liegende Niveau könnte mit einigem Unbehagen verbunden sein, auch wenn die derzeitige Verfassung der Euro-Börsen nicht mit der Lage im März 2000 vergleichbar ist“, schreibt die LBB. Die aktuellen Aktienbewertung – gemessen am Verhältnis von Kursen und Gewinnen – sei nur halb so hoch wie vor sieben Jahren. Außerdem sei von einer gefährlichen Euphorie der Anleger nichts zu spüren. Gute Voraussetzungen für weitere Kursgewinne. Dennoch: Kurzfristig müssen sich Anleger auf Turbulenzen einstellen, wenn sich zum Beispiel die Börsen in China nicht beruhigen und Schockwellen auf dem globalen Kapitalmarkt auslösen. Am Freitag rutschte der Aktienindex Shanghai Composite erneut kräftig ab. Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich davon allerdings unberührt und sonnte sich in der guten Mai-Bilanz.

23 von 30 Dax-Werten beendeten den Monat mit einem Kursgewinn. An der Spitze die Schwergewichte Daimler-Chrysler (13,6 Prozent) und Eon (12,7 Prozent). Nachdem sich die Wege von Daimler und Chrysler wieder trennen und die US-Sparte an den Finanzinvestor Cerberus verkauft wurde, hat der Stuttgarter Autokonzern die Börse auf seiner Seite. Die Kursgewinne im Mai sehen angesichts der milliardenschweren Belastungen, die Daimler nach der Chrysler-Abspaltung zu verkraften hat, aber noch wie Vorschusslorbeeren aus. Ob der Aufschwung nachhaltig ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Einhellig begeistert zeigten sich die Märkte vom riesigen Investitionsprogramm des Energiekonzerns Eon, der zwar bei der Endesa-Übernahme leer ausging, der jetzt aber aus eigener Kraft umso mehr finanziellen Wachstumsspielraum hat.

Enttäuschend verlief der Mai für den Post-Konzern. Sowohl die Aktie der Deutschen Postbank als auch die der Deutschen Post wurden verkauft. Nachdem sich Übernahmespekulationen nicht bewahrheitet hatten, machten Anleger Kasse. Schwach notierte auch die Lufthansa, die vom hohen Ölpreis belastet wird. Der teure Rohstoff und die extrem gestiegenen Spritpreise spielen allerdings sonst auf dem Parkett kaum eine Rolle. Auch das könnte sich schnell ändern, wenn die Optimisten nicht mehr den Ton angeben.

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