Börse in Turbulenzen : Die Angst vor der nächsten Krise geht um

Dem Deutschen Aktienindex Dax droht die vierte Verlustwoche in Folge. Seit dem Rekordhoch von 10.050 Punkten im Juni hat der Dax rund 16 Prozent an Wert verloren. Auch andere Weltbörsen taumeln. Sind das Vorboten einer neuen Krise?

Michael Schilling, Jürgen Sabel
Seit vier Wochen geht es an der Börse fast täglich abwärts. Am Donnerstag musste der Deutsche Aktienindex einen weiteren heftigen Rückschlag hinnehmen. Die Angst vor einem Wirtschaftsabschwung nimmt zu.
Seit vier Wochen geht es an der Börse fast täglich abwärts. Am Donnerstag musste der Deutsche Aktienindex einen weiteren heftigen...Foto: Reuters

Die Furcht vor einem wirtschaftlichen Abschwung schickt die Börsen weltweit auf Talfahrt. Manche sehen darin eine längst überfällige Korrektur nach den Rekordständen der vergangenen Monate, andere bereits Anzeichen für eine neue Wirtschaftskrise.

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen.

Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt.
Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihren Möglichkeiten am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller.

Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA.
Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen.

Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Steht der Aktienmarkt vor einem großen Crash?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz.

Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung. dpa

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