Wirtschaft : Börse: Investmentbankern geht die Arbeit aus

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Kaum Börsengänge, wenige Firmenübernahmen und dann auch noch eine Börsenflaute: Den Investmentbankern droht allmählich die Arbeit auszugehen. In den USA stehen bereits viele der jungen, noch vor zwölf Monaten händeringend gesuchten und hochbezahlten Finanzexperten auf der Straße. In Deutschland ist das Geschäft ebenfalls mau, aber noch halten die meisten Banken an ihren Mitarbeitern fest.

Bislang hat in Frankfurt lediglich der deutsche Ableger des britischen Investmenthauses JP Morgan fünf seiner 15 Spezialisten für den Neuen Markt entlassen. Sie waren erst im vergangenen Jahr, als die Börse boomte, von der Dresdner Bank abgeworben worden. Das sei eine "normale Anpassungsmaßnahme" heißt es bei JP Morgan.

Für solche Schritte sieht man bei den deutschen Banken (noch) keine Notwendigkeit, auch wenn das Geschäft mit Börsengängen faktisch ruht. Die DG Bank etwa, die im ersten Halbjahr 2000 noch 19 Unternehmen auf das Parkett führte, kann für die ersten sechs Monate 2001 gerade mal eine IPO (Initial Public Offering) vermelden. Ähnlich geht es der Commerzbank: 18 IPOs im Vor-Halbjahr steht gerade mal ein Börsengang von Januar bis Juni 2001 gegenüber. Die Flaute hat eine weitere Folge: Die Preise sinken, die Einnahmen der Banken bei Börsengängen werden angesichts der großen Konkurrenz geringer. Und auch die Zahl der Fusionen und Übernahmen (M&A) ist drastisch gesunken.

Mit was also beschäftigen sich die vergleichsweise hochbezahlten Investmentbanker? "Kontaktpflege", sagt Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch - in der Hoffnung auf bessere Börsenzeiten. Die 30 Spezialisten aus seinem Haus halten Ausschau nach möglichen Börsenkandidaten. Ähnliches hört man aus der DG Bank oder aus der BHF Bank. "Marktsondierung", nennt das Deutsche Bank-Sprecher Ronald Weichert. "Wir haben eine Menge in der Pipeline. Und wir glauben ja auch, dass die Dinge wieder in Gang kommen." Von einer "Hire und Fire"-Politik nach amerikanischem Vorbild halten die deutschen Geldhäuser wenig. Sie setzen auf Kontinuität. "Sonst hätten wir schnell wieder ein Problem, wenn der Markt wieder anzieht. Dann würden uns die Experten fehlen und wir müssten sie für teures Geld einkaufen", sagt ein Banker.

Allenthalben baut man darauf, dass das Geschäft spätestens Mitte 2002 wieder anzieht. Experten sagen für das kommende Jahr ein Emissionsvolumen von immerhin 15 Milliarden Euro für den deutschen Markt voraus. Das wäre zwar nur halb so viel wie 2000, aber immerhin das Dreifache des Jahres 2001.

Wenn das Geschäft allerdings auch im nächsten Jahr vor sich hin dümpelt, wird man auch in den Frankfurter Investmentbanken mit spitzem Bleistift rechnen. Schließlich klagt nicht nur die Commerzbank, wie ihr jüngster Zwischenbericht zeigt, über viel zu hohe Verwaltungskosten. Dann müssten sich etliche der jungen IPO-Spezialisten auf Entlassungen einstellen. Auf Frankfurts Straßen drohe dann Gedränge, orakelt schon jetzt die "Börsenzeitung".

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