Wirtschaft : Börse: Keine Panik am Aktienmarkt

Entgegen den Erwartungen haben die Weltbörsen am Montag nicht mit Verlusten auf die Angriffe auf Afghanistan reagiert. Der Dow-Jones-Index an der US-Leitbörse Wall Street blieb auf einem nahezu unveränderten Niveau. Das beflügelte auch den deutschen Index Dax, der nach anfänglichen Verlusten bis zum Handelsschluss um 0,1 Prozent zulegen konnte. Die Vergeltungsschläge werden nach der Ansicht von Ökonomen die labile Weltkonjunktur vorerst nicht weiter beschädigen.

Nachdem an den US-Märkten zur Eröffnung Verunsicherung geherrscht hatte, beruhigte sich die Stimmung im Verlauf des Handels wieder. Nachdem der zweite Militärschlag gegen Afghanistan bekannt geworden war, kam es jedoch wieder zu Verlusten. Der Dow-Jones-Index mit den 30 wichtigsten Industriewerten notierte am Abend bei 9045 Punkten - ein Minus von 0,8 Prozent. Die techniklastige Nasdaq verlor 0,35 Prozent und stand bei 1599 Zählern. Finanzwerte wie Citigroup, AIG und Bank of America zählten zu den Verlierern. AMR, die Muttergesellschaft der American Airlines, UAL, die United Airlines-Holding, Delta und Northwest Airlines standen unter Druck, da es womöglich nun noch weniger Fluggäste geben wird. US-Rüstungsfirmen wie Raytheon, Lockheed und General Dynamics konnten dagegen Gewinne verbuchen.

In Deutschland drehte der Dax nach anfänglichen Verlusten von bis zu drei Prozent ins Plus und schloss bei 4495 Punkten, 0,1 Prozent mehr als am Freitag. Am Neuen Markt gab der Leitindex Nemax 50 um 2,4 Prozent auf 825 Zähler nach. Verlierer im Dax waren die Allianz und die Münchener Rück mit je 1,6 Prozent Abschlag, außerdem die Hypovereinsbank mit minus 6,2 Prozent. Grund waren Händlern zufolge Risiken durch eine möglicherweise riskante Kredite an die Schweizer Airline Swissair.

Händler erklärten die Verunsicherung mit der Angst vor weiteren Terroranschlägen. "Wir sind jetzt alle Ziele potenzieller Anschläge", begründete Pia-Christina Schulze, Analystin der Privatbank Merck Finck & Co. Die nur moderaten Verluste waren für den Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, Fidel Helmer, jedoch absehbar. Die aktuellen US-Militärschläge seien angekündigt gewesen, und "die Börsen haben noch nie großartig reagiert auf Situationen, die wochenlang vorhergesehen worden sind". Der Crash sei bereits nach dem 11. September erfolgt. Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) warnte Anleger davor, in Panik zu verfallen und zu verkaufen. Nach der "Aufholjagd der letzten 14 Tage", als der Dax von seinem Tief nach den Anschlägen 20 Prozent gewonnen habe, sei ein Rückgang irgendwann zu erwarten gewesen.

Daneben sorgen sich die Investoren über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur. Die US-Luftangriffe würden die Aussichten indes nicht weiter schmälern, erklärten Chefvolkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Konjunktur hätte kaum schlechter sein können, ich sehe aber keine Notwendigkeit, die Prognosen zu ändern", sagte der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich. Norbert Walter von der Deutschen Bank pflichtete dem bei: "Wir haben keinen Anlass, unser Konjunkturszenario neu zu benennen." Die Unsicherheit werde erst weichen, wenn die Militäraktionen Erfolge zeigten. Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm rechnet nicht mit zusätzlichen Belastungen der Wirtschaft.

Dagegen erwartet der frühere Vorstandschef von General Electric, Jack Welch, kurzfristig negative Auswirkungen durch die Angriffe. "Die Lage der Weltwirtschaft wird sich weiter verschlimmern", sagte er am Montag in Berlin. Dies gelte nicht nur für die Luftfahrt- oder die Reisebranche. Dennoch zeigte er sich optimistisch, dass sich die US-Wirtschaft schon bald erholen werde. "Vielleicht nicht im ersten, aber im zweiten oder dritten Quartal 2002", sagte er. Noch immer gebe es in den USA einen Etatüberschuss, niedrige Inflation und auch bei Zinsniveau und Fiskalpolitik sei noch etwas zu holen.

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