Wirtschaft : Börse: Neuer Markt im freien Fall

An den deutschen Aktienmärkten ist es am Mittwoch zu schweren Kurseinbrüchen gekommen. Die Indizes am Frankfurter Neuen Markt gaben zwischenzeitlich um jeweils rund acht Prozent nach. Der Blue-Chip-Index Nemax 50 fiel bis 17 Uhr auf 3162 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit seiner Einführung 1999. Beim Dax erreichten die Verluste minus 2,7 Prozent.

Unter den großen Standardwerten waren besonders die Aktien von SAP betroffen, die zwischenzeitlich rund zehn Prozent verloren. Erst nachdem die Wall Street etwas fester eröffent hatte, beruhigte sich die Situation. Der Dow-Jones-Index lag nach Handelseröffnung mit einem Prozent im Minus.

Experten mochten weitere Verluste in den kommenden Tagen nicht ausschließen. Ein Händler beschrieb die Situation am Neuen Markt als "grausam". Angesichts der jüngsten Gewinnwarnungen in den USA sei eine Verbesserung der Grundstimmung am Markt nicht in Sicht. Es fehlten einfach die Käufer. "Die Leute schmeißen alles wahllos aus ihren Depots", sagte Chefstratege Robert Halver von Delbrück Asset Management. "Es herrscht regelrechte Panik." Vor allem Anleger, die ihre Aktien mit Krediten finanziert haben, trennten sich von ihren Papieren.

Die zuletzt oft genannte Begründung, wonach der weiter offene Ausgang der US-Präsidentenwahl für die weltweit schwachen Aktienkurse verantwortlich sei, wurde am Mittwoch von Frankfurter Händlern relativiert. Dieses Argument sei nur vorgeschoben, hieß es etwa. Ein Händler der Deutschen Bank ging davon aus, dass sich eine endgültige Entscheidung bei den Wahlen zwar positiv auswirken, aber keine grundsätzliche Trendwende bringen werde. Andere Beobachter zeigten sich ratlos. Dieser Kurssturz am Neuen Markt sei rational nicht zu erklären, sagte Hendrik Garz von der WestLB Panmure. Einen weiteren Rutsch nach unten schloss er aber nicht aus. Derzeit scheine eine Trendumkehr nicht erkennbar, sagte Garz. Grundsätzlich habe sich zwar nicht viel an den positiven Aussichten der New Economy geändert. Die Investoren nähmen derzeit aber die positiven Nachrichten nicht wahr. Die Stimmung nach unten habe eine Eigendynamik entwickelt.

Personelle Konsequenzen

Bei einzelnen Unternehmen am Neuen Markt kam es unterdessen als Reaktion auf die verheerenden Zahlen zu personellen Konsequenzen. So trat der Marketing- und Vertriebsvorstand der Norderstedter Softmatic AG, Gerhard Brunnbauer, zurück. Grund sei der unerwartete Umsatzeinbruch im dritten Quartal gewesen, teilte die am Neuen Markt notierte Softmatic am Mittwoch mit. Die Vorgänge um die Augsburger Infomatec AG entwickeln sich hingegen immer mehr zu einem Krimi. Wenige Tage nach der Festnahme zweier Infomatec-Vorstände hat die Staatsanwaltschaft die Firmenzentrale des Softwareunternehmens in Gersthofen erneut durchsuchen lassen. Dabei seien weitere Unterlagen sicher gestellt worden, bestätigte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Kolb am Mittwoch einen Bericht der "Augsburger Allgemeinen". Eine Zeugenaussage habe den Verdacht ergeben, dass der Staatsanwaltschaft wesentliche Dokumente vorenthalten würden. "Diese Dokumente haben wir gefunden." In der vergangenen Woche waren die beiden Infomatec-Gründer Gerhard Harlos und Alexander Häfele wegen Fluchtgefahr festgenommen worden. Sie sollen nach Angaben von Kolb bis auf weiteres in Untersuchungshaft bleiben.

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