Wirtschaft : Börse: Neuer Markt im freien Fall

Warnungen der US-Notenbank (Fed) vor einer möglichen Rezession haben am Mittwoch weltweit die Aktienmärkte in die Knie gezwungen. Nachdem am Dienstag die amerikanische Technologiebörse Nasdaq auf ein neues Jahrestief gefallen war, stürzte am Mittwoch der deutsche Neue-Markt-Index Nemax 50 bis zum Nachmittag um mehr als zehn Prozent auf ein Jahrestief von 2 739 Punkten. Auch die japanische Börse schloss nahe an einem 22-Monats-Tief. Händler sprachen mit Blick auf die Kursverluste an den Börsen der Welt von einem Blutbad. Von den amerikanischen Märkten kam am Mittwoch keine Entwarnung: Schon kurz nach Eröffnung verlor der Nasdaq über 4 Prozent. "Es gibt kein Halten mehr", sagte ein Aktienanalyst an Wall Street.

Bei den Werten der Old Economy waren die Verluste ebenfalls deutlich. Im Vergleich zum Neuen Markt hielten sie sich aber in Grenzen. Der Dax verlor im Verlauf des Börsenhandels drei Prozent. Die US-Notenbank hatte am Dienstag auf ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr eine Lockerung der Zinsen für die Zukunft angedeutet und zugleich auch deutlich vor Risiken für die weitere Konjunkturentwicklung gewarnt. Die Zentralbank wies darauf hin, dass einige Unternehmen schlechtere Umsatzergebnisse verzeichnet hätten als erwartet. Dies deute darauf hin, dass das ohnehin seit Sommer gedrosselte Wachstumstempo sich weiter verlangsamen könne.

Inflation sei derzeit keine Gefahr, sagt die Fed. Sorgen bereitet den Währungshütern dagegen die Schwäche der US-Wirtschaft, die im dritten Quartal nur noch um 2,4 Prozent gewachsen war. Fehlendes Vertrauen der Konsumenten, Turbulenzen an den Finanzmärkten sowie eine gedämpfte Verbrauchernachfrage könnten der amerikanischen Wirtschaft eine harte Landung bescheren. Notenbank-Chef Alan Greenspan bemüht sich seit Monaten, dies zu verhindern. Die Tatsache, dass die Fed die Leitzinsen unverändert ließ, enttäuschte nach Angaben von Händlern offenbar die Erwartungen einiger Investoren, die mit einer Zinssenkung gerechnet hatten. Als Greenspan vor gut zwei Wochen zum ersten Mal andeutete, dass die Gefahr eines abgeschwächten Wachstums gefährlicher sei als mögliche Inflationsrisiken, reagierte die Nasdaq noch mit einem Kursfeuerwerk.

Die Tatsache, dass erneut die Technologiewerte deutlich stärker als die Firmen der Old Economy unter Druck gerieten, führten Experten auf drastische Gewinneinbrüche der Neuen-Markt-Unternehmen zurück. Nicht wenige Börsenlieblinge hatten in letzter Zeit Gewinnwarnungen veröffentlicht. Der Euro hat von den gedämpfteren Wachstumsaussichten in den USA profitiert. Er notierte am Mittwoch wieder über 90 Cent. Selbst eine nach unten korrigierte Wachstumsprognose des Ifo-Institutes für 2001 hat ihn nicht geschwächt.

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