Wirtschaft : Börse: Noch kein Land in Sicht

Corinna Visser

Die Anleger haben sich zu früh gefreut. Die gute Stimmung an den Börsen, die noch in der vergangenen Woche herrschte, hat sich nicht über die Osterfeiertage halten können. Aus den Unternehmen kommen immer neue Hiobsbotschaften, die erhoffte Trendwende an den Aktienmärkten lässt immer länger auf sich warten. Der amerikanische Internetausrüster Cisco meldet drastische Einbrüche bei Umsatz und Gewinn und will 8000 Stellen streichen. Im vergangenen Jahr hatte Cisco zeitweise sogar den Softwarekonzern Microsoft von der Liste der wertvollsten US-Unternehmen verdrängt. Doch inzwischen ist der Internet- und Telekommunikationsmarkt so kräftig eingebrochen, dass Ausrüster wie Cisco, Lucent Technologies, Nortel und andere mitgrissen wurden. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht. Auch beim niederländischen Elektronikkonzern Philips bricht der Gewinn wegen der Flaute am Handy- und PC-Markt ein. Stellenstreichungen sind auch hier die Folge. Alle nennen einen Grund für die schlechten Ergebnisse: die sich abschwächende Konjunktur in den USA. Die Furcht geht um, dass sich die Wachstumsdelle sogar zu einer Rezession auswachsen könnte. Die amerikanischen Verbraucher schränken ihre Ausgaben ein, die Firmen verschieben ihre Investitionen. Sie überlegen genau, ob sich weitere Ausgaben für den eigenen Internetauftritt auch wirklich lohnen. In den kommenden Tagen werden weitere große Firmen - AOL, Microsoft und Nokia - über die ersten Monate des Jahres berichten. Wenn auch sie mit schlechten Nachrichten kommen, rückt die Trendwende in immer weitere Ferne. Dann bleibt nur noch eine Hoffnung: dass die drastische Zinssenkung der Fed die gewünschte Wirkung entfaltet und das Wirtschaftswachstum wieder in Schwung bringt. Ganz allein wird es den Unternehmen nicht gelingen, bei den Anlegern wieder Vertrauen in den High-Tech-Sektor zu gewinnen.

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