Börse : Obama-Euphorie an Börsen verflogen - Rezessionsangst

Mit deutlichen Kurseinbrüchen ist die "Obama-Euphorie" an den Börsen wieder der Rezessionsangst gewichen. Nach dem kurzzeitigen Höhenflug vor der Wahl des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama lagen am Donnerstag alle europäischen und asiatischen Leitindizes kräftig im Minus.

Frankfurt/MainDüstere Voraussagen zur Konjunktur von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verstärkten die Talfahrt. "Die Verschärfung und Ausweitung der Finanzmarktkreise wird höchstwahrscheinlich die Nachfrage weltweit und im Euro-Raum für eine lange Zeit dämpfen", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Der Rat der Notenbank hatte zuvor entschieden, den Leitzins im Euro-Raum von 3,75 auf 3,25 Prozent zu verringern. Wegen der Rezessionsgefahr senkten auch die Bank of England (BoE) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Leitzinsen erneut kräftig.

Der deutsche Leitindex Dax sackte deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten und verlor im späten Handelsverlauf 6,8 Prozent auf 4816 Punkte. Die Konjunktursorgen von gekappten Prognosen großer Branchenführer wie Toyota und Adidas wurden für 2009  verstärkt.

Unternehmen verlieren Umsatz, Börse auf Talfahrt

Der bisher erfolgsverwöhnte Sportartikelhersteller Adidas wurde zu einem der Tagesverlierer: Der Konzern mit seinen 37.500 Mitarbeitern kündigte an, vorerst keine Leute mehr einzustellen. Die Prognose für 2009 wurde zurückgenommen. Die Titel von Adidas verbilligten sich zeitweise um knapp 10 Prozent auf 26,53 Euro und waren damit einer der schwächsten Werte im Dax. Der Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck wies angesichts eingebrochener Aufträge und Zusatzkosten im zweiten Quartal mehr Verlust aus als erwartet. Und auch den Waschmittelriesen Henkel hat der Konjunktureinbruch voll erwischt, Henkel senkte seine Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr.

Zudem schickten deutliche Kursverluste an der New Yorker Wall Street vom Vortag die Börsen in Asien und Europa auf Talfahrt. "Nun ist wieder mehr der Alltag mit Finanzkrise und Rezession eingekehrt", erklärte ein Händler in New York. Auch am Donnerstag startete die Wall Street schwach, nach Verlusten von 5,05 Prozent am Tag zuvor sackte der Dow-Jones-Index zeitweise um weitere 200 Punkte unter die 9000-Punkte-Marke. "Nachdem die US-Präsidentschaftswahl nun vorüber ist, richten sich die Augen der Anleger wieder auf die Probleme in der Wirtschaft. Und hier setzt sich langsam durch, dass es keine schnelle Lösung gibt, um eine Rezession zu verhindern", sagte auch Analyst Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities in Tokio.

Negative Prognosen drosseln asiatische Konjunktur

Die asiatische Leitbörse in Tokio wurde ebenfalls von negativen Prognosen großer Konzerne beeinflusst. Der führende japanische Autokonzern Toyota senkte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlicher als erwartet. Wie der erfolgsverwöhnte Branchenprimus am Donnerstag bekanntgab, wird jetzt nur noch ein Gewinn von 550 Milliarden Yen (4,3 Mrd Euro) erwartet. Anfangs war Toyota von 1,25 Billionen Yen ausgegangen.

Die Aktie brach in Erwartung der erst nach Börsenschluss vorgelegten Zahlen um 10,4 Prozent ein und schlug damit auch auf den Nikkei-Index für 225 führende Werte durch. Dieser hatte zum Handelsschluss einen hohen Verlust von 6,53 Prozent beim Stand von 8899,14 Punkten. An der Börse in Hongkong gab der Hang-Seng-Index um 7,1 Prozent auf 13 790,04 Punkte nach - am Vortag hatte er noch im Zuge des Obama-Wahlsiegs zeitweise um 5,7 Prozent zugelegt. (saw/dpa)

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