Wirtschaft : Börse: Panik am Neuen Markt

Bernd Frank

Lange Zeit ist von einer Korrektur an den Aktienbörsen gesprochen worden, einer Delle im langfristigen Aufwärtstrend. Inzwischen ist klar: Das Jahr 2000 wird an den Finanzmärkten, ähnlich wie zuletzt 1987, in die Geschichte eingehen. Und zwar als Crashjahr für die Technologiewerte - nicht nur für die kleinen Titel an den Neuen Märkten, sondern auch für große Werte wie beispielsweise Intel und Yahoo oder einige europäische Telekom-Aktien. Nun können Optimisten sagen, dass der Oktober-Crash von 1987 schnell überwunden wurde und sich sogar die "goldenen Neunziger" anschlossen. Es ist zu vermuten, dass die klassischen Standardtitel der "Old Economy" die derzeitige Börsenkrise recht gut überstehen werden. Sie profitieren sogar teilweise von Umschichtungen aus Technologieaktien.

Was allerdings die Technologiewerte betrifft, so gibt es hier eine fundamentale Neubewertung bei Anlegern und Analysten - alte Kurshochs werden bei vielen auf Jahre hinaus unerreichbar bleiben. Die Fortschreibung der zuvor hohen Gewinnsteigerungsraten in die Zukunft und die bedenkenlose Euphorie auch für Unternehmen, die Verluste machen, ließ eine riesige Spekulationsblase entstehen. Wer die Einschätzungen und Bewertungen durch Banken und deren Analysten im Laufe dieses Jahres verfolgt hat, weiß, dass hier eine ganz wesentliche Ursache des Übels liegt. Aktien wurden auch nach einer Verzehn- oder Verzwanzigfachung ihres Kurses immer wieder neu zum Kauf empfohlen - auch dann noch, als schließlich erste stärkere Kursrutsche auf eine Trendwende hindeuteten.

Und wie das an den Börsen oft so ist: Der maßlosen Euphorie folgt nun eine Übertreibung nach unten. Als ob alles, was vorher noch positiv war, sich in Luft aufgelöst hätte, werfen die Anleger in Panik auch gute und inzwischen nicht mehr überteuerte Technologie-Aktien auf den Markt. Auch wenn man sich von alten Hoffnungen des schnellen Reichwerdens verabschieden muss: Wer jetzt den Mut aufbringt, solche Werte aufsammelt, wird sich später freuen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar