Wirtschaft : Börse: Ratlosigkeit in Frankfurt

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Auch einen Tag nach dem überraschenden Aus für die Börsenfusion London-Frankfurt hat Frankfurts Börsenchef Werner Seifert die Sprache noch nicht wieder gefunden. "Kein Kommentar" hieß es am Dienstag bei der Deutschen Börse AG auf die Frage, wie es nun weiter gehen soll. Insider bestätigen allerdings, dass es entgegen der Ankündigung von Seifert aus der vergangenen Woche doch keinen Alternativplan für den Fall des Scheiterns von iX International Exchange gebe. "Die Börse hat keinen strategischen Plan A,B oder C. Jetzt wird alles geprüft."

Spekuliert wird jetzt in Frankfurt darüber, ob es gemeinsam mit anderen Börsen doch ein Übernahmegebot für London gebe oder ob sich die Frankfurter an die Pariser Börse und damit an den Börsenverbund Euronext wenden. Oder ob sie auf ihre eigenen Pläne zurückgreifen, unter dem Namen Euroboard selbst an die Börse zu gehen. "Frankfurt muss in jedem Fall aufpassen, dass der europäische Börsenzug nicht ohne die Deutsche Börse weiterfährt", sagte der Bank- und Börsenwissenschaftler Wolfgang Gehrke dem Tagesspiegel.

Einer Kooperation mit Euronext werden allerdings nur geringe Chancen eingeräumt. Das Verhältnis zu den Franzosen gilt seit den iX-Plänen als belastet. Die Pariser Börse hatte als Reaktion darauf die Fusion mit den Börsen in Amsterdam und Brüssel zur Euronext unter Dach und Fach gebracht. Gehrke sieht in dem Wiederaufleben der Euroboard-Pläne und damit dem Börsengang der Deutsche Börse AG eine Chance, die "verfahrene Situation" zu klären. Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch hält dagegen ein Gespräch mit Paris für wichtig. "Es gilt, alle Optionen zu prüfen. Viel Zeit bleibt nicht." Schließlich bleibt die Frage, wie die US-Technologiebörse Nasdaq reagiert: Setzt sie auf London oder auf Frankfurt?

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