Wirtschaft : Börse reagiert enttäuscht auf Ausblick der Lufthansa

Übernahme der Swiss wird sich erst später auszahlen. Konzerngewinn steigt 2004 auf 404 Millionen Euro

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Integration der angeschlagenen Swiss wird die Deutsche Lufthansa nach Angaben von Finanzchef Karl-Ludwig Kley in diesem Jahr mit rund 30 Millionen Euro belasten. Bis 2008 sollen die jährlichen Zugewinne aber auf mindestens 165 Millionen Euro steigen. Für 2005 geht die Lufthansa von einem gleichbleibenden Betriebsergebnis aus, sagte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber am Mittwoch in Frankfurt am Main bei der Vorlage der Bilanz. Nach einem Verlust von fast einer Milliarde Euro hat die Lufthansa im vergangenen Jahr trotz gestiegener Treibstoffkosten einen Konzerngewinn von 404 Millionen Euro eingeflogen. Auch das operative Ergebnis stieg deutlich um 347 Millionen Euro auf 383 Millionen Euro. „Wir sind heute schlanker, fitter und leistungsfähiger“, sagte Mayrhuber.

Die Aktie der Lufthansa reagierte am Mittwoch mit einer Berg- und Talfahrt. Die Papiere verloren in der Spitze knapp vier Prozent, nachdem sie am Morgen zeitweise zwei Prozent zugelegt hatten. „Die Aktie fällt, weil der Ausblick für dieses Jahr schlechter ist, als der Markt erwartet hatte“, sagte ein Analyst. Für Enttäuschung sorgte offenbar auch die Prognose, die Swiss-Übernahme rentiere sich erst ab 2007. „Da hatten einige auf kurzfristigere Synergieeffekte gehofft“, sagte ein Händler. Bei Handelsschluss lag die Lufthansa-Aktie noch 0,6 Prozent im Minus bei 11,06 Euro.

Für die Weiterentwicklung der europäischen Luftverkehrsbranche hat die Übernahme der Swiss nach Ansicht des Lufthansa-Chefs große Bedeutung. Bei der Konsolidierung der Branche wolle die Lufthansa eine führende Rolle spielen. Ob weitere Übernahmen angedacht sind, ließ Mayrhuber allerdings offen. „Diese Fantasie überlasse ich anderen.“

Zunächst schlägt die Übernahme nur mit rund 46 Millionen Euro zu Buche. Die zahlt die Lufthansa an die Swiss-Kleinaktionäre, die rund 15 Prozent der Aktien halten. Sie bekommen 8,955 Franken pro Aktie. Die Großaktionäre – unter anderem der Schweizer Bund, der Kanton Zürich und die Großbank UBS – bekommen erst 2008 Geld, aber nur dann, wenn sich der Lufthansa-Aktienkurs besser entwickelt als ein Korb aus anderen Luftfahrt-Aktien. Maximal 252 Millionen Euro muss die Lufthansa dann noch zahlen.

Nach Ansicht von Mayrhuber werden die Kunden beider Airlines von der Übernahme profitieren: über ein größeres globales Flugangebot, bessere Verbindungen, die jeweiligen Vielfliegerprogramme sowie die Einbindung in die Star-Allianz. Monopole auf einzelnen Strecken wie etwa von Frankfurt nach Zürich werde es nicht geben. „Die Wettbewerbsintensität ist generell sogar weiter gewachsen“, behauptet der Lufthansa-Chef. Einschränkungen durch die Kartellbehörden erwartet er nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar