Börse : Rien ne va plus

Der Dax startet im Plus – doch Sorgen um Frankreich kippen die Stimmung

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Düster. Am Mittwochmorgen hatten sich die Gesichter der Frankfurter Aktienhändler noch aufgehellt. Doch später drehten die Kurse wieder nach unten ab. Foto: dpa
Düster. Am Mittwochmorgen hatten sich die Gesichter der Frankfurter Aktienhändler noch aufgehellt. Doch später drehten die Kurse...Foto: dpa

Berlin - Gerüchte machen an der Börse Kurse. In ihrer extrem nervösen Verfassung lassen sich Anleger derzeit schnell in die eine oder andere Richtung treiben. Am Mittwoch waren Sorgen um eine möglicher Herabstufung der Bonität Frankreichs der Auslöser. Prompt wurde aus einem Dax-Gewinn von drei Prozent wieder ein deutlicher Verlust. Bis zum Handelsschluss verlor der Dax 5,1 Prozent auf 5613 Punkte – der elfte Verlusttag in Folge. Auch an der Wall Street ging es wieder steil abwärts: Der Dow-Jones-Index ging mit Verlusten von 4,6 Prozent auf 10.719 Punkte aus dem Handel. Der Euro rutschte ebenfalls ab, auf 1,42 Dollar. Die Reflexe der vergangenen Tage wiederholten sich: Gold verteuerte sich auf 1796 Dollar, der Ölpreis sank.

Frankreich, so hatten Händler am Nachmittag auf dem Parkett kolportiert, könne nach den USA der nächste Kandidat sein, der bei einer der Ratingagenturen seine Top-Einstufung verliere. Es war eine Spekulation – mehr nicht. Die Regierung dementierte, Fitch und Moody’s versuchten gegenzusteuern und bescheinigten dem Land sogar explizit beste Bonität. Es bleibe bei der Top-Bewertung und einem stabilen Ausblick, teilte Moody’s mit. „Nichts hat sich geändert“, fügten die Prüfer hinzu. Standard & Poor’s hatte sich schon am Dienstag ähnlich geäußert.

Und dennoch stürzten die Kurse französischer Banken ab – und rissen andere Werte und Handelsplätze mit sich. „Société Générale zieht alles herunter, da kann sich niemand entziehen“, sagte ein Händler. Die Aktie der Großbank verlor zeitweise mehr als 20 Prozent. Die Spekulationen über Frankreich dürften in den nächsten Tagen weiter für Unruhe sorgen. Denn die französische Regierung will erst kommende Woche Vorschläge für weitere Sparbeschlüsse machen und am 24. August entscheiden. 14 Tage können aber eine lange Zeit sein für die Märkte.

Angetrieben von der Wall Street – der Dow Jones hatte am Dienstag mehr als drei Prozent gewonnen – waren die deutschen Indizes am Morgen noch kräftig gestiegen. Der Dax sprang bis auf 6082 Punkte. Der Markt schien sich zu erholen – doch die Stimmung kippte.

Immer mehr Anleger wechseln ins Lager der Pessimisten. War im Mai noch jeder Zweite davon überzeugt, dass sich die Kurse in den kommenden sechs Monaten positiv entwickeln würden, verschob sich dieser Eindruck im Juli, wie die Fondsgesellschaft J.P. Morgan Asset Management in einer repräsentativen Umfrage ermittelte. Nur noch jeder dritte Privatanleger sei optimistisch für den deutschen Aktienmarkt. Der Anteil dürfte inzwischen noch niedriger liegen, denn befragt wurden die Anleger vor den jüngsten Abstürzen.

Ein wenig hilflos klang angesichts der Vertrauenskrise der Appell der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Die Krise hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, nicht dem Panikrausch zu verfallen“, teilte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker mit. Angesichts der mittel- bis langfristig drohenden Inflation seien Aktien „ein guter Bestandsschutz“.

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