Wirtschaft : Börse straft Daimler-Chrysler ab

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Mit einem starken Kurseinbruch hat die Börse am Mittwoch auf eine Gewinnwarnung des Automobilkonzerns Daimler-Chrysler reagiert. Nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 am frühen Nachmittag sackte der Aktienkurs des deutsch-amerikanischen Konzerns kurzfristig von rund 44,50 Euro auf 41,64 Euro. Grund war ein Hinweis darauf, dass der Gewinn des laufenden Geschäftsjahres nich so hoch ausfallen werde wie bislang erwartet.

Wie bereits im Vorfeld der Vorstandssitzung am Mittwoch bekannt geworden war, will Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp erstmals seit Mitte der neunziger Jahre wieder die Dividende kürzen. Stimmen Aufsichtsrat und Hauptversammlung zu, gibt es für das Jahr 2001 nur noch ein Euro je Aktie. Für 2000 waren es noch 2,35 Euro gewesen. Daimler-Chrysler spart so etwa 1,35 Milliarden Euro.

Die weltweite Konjunkturflaute und der harte Preiswettbewerb in Nordamerika haben den Gesamtkonzern Daimler-Chrysler im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gebracht: Der operative Verlust (ohne Berücksichtigung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen) liegt bei 1,3 Milliarden Euro, der Netto-Verlust betrug den Unternehmensangaben zufolge rund 700 Millionen Euro. Dazu trug die finanzielle Belastung durch ein milliardenschweres Umbau-Programm für die US-Tochter Chrysler sowie für das Lkw-Geschäft bei. Ohne diese Sondereffekte hätte das Ergebnis laut Daimler-Chrysler bei plus 700 Millionen Euro gelegen.

Diese Zahlen waren weitgehend an den Finanzmärkten erwartet worden. Für Überraschung sorgte jedoch die Mitteilung, dass Daimler-Chrysler für 2002 "im Konzern einen Operating Profit ohne Einmaleffekte, der das Doppelte des Vorjahresniveaus sehr deutlich übertrifft" erwartet. Im Klartext: Der operative Gewinn wird deutlich über 2,6 Milliarden Euro liegen. Bislang hatte der Konzern allerdings einen operativen Gewinn von 5,5 Milliarden bis 6,5 Milliarden Euro vorausgesagt. Analysten hatten allerdings nur noch mit 3,9 Milliarden Euro gerechnet.

Begründet wird diese vorsichtigere Prognose mit der schwächeren Konjunktur. Im Februar letzten Jahres, heißt es weiter, habe das Unternehmen die Ziele für das Jahr 2002 und darüber hinaus bekannt gegeben, "denen deutlich günstigere wirtschaftliche Rahmenbedingen zugrunde lagen." Aufgrund der aktuellen Entwicklung sei das Marktumfeld jedoch erheblich schwieriger geworden. Im Nutzfahrzeuggeschäft ist Daimler-Chrysler 2001 mit einem blauen Auge davon gekommen. Vorstand Eckhard Cordes sagte am Mittwoch in Amsterdam, dass Geschäftsfeld werde einen leicht positiven operativen Gewinn ausweisen.

Einen weiteren Personalabbau in der Nutzfahrzeugsparte schloss das Unternehmen aus. Die Höhe des Gewinns für 2001 bei den Nutzfahrzeugen will Daimler-Chrysler erst auf der Bilanzpressekonferenz am 20. Februar bekannt geben. Der Absatz habe mit rund 493000 Einheiten zehn Prozent niedriger als im Vergleich zum Vorjahr gelegen. Beim Umsatz verzeichnete das Geschäftsfeld einen Rückgang um vier Prozent auf rund 28,6 Milliarden Euro. Als Gründe für die Misere führte Daimler-Chrysler Rückgänge in Nordamerika, der Türkei und Argentinien sowie die Eintrübung der Konjunktur an.

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