Wirtschaft : Börse unterstützt Pläne von Eon

Angebot für Endesa treibt Aktie auf Rekordkurs

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Aktienhändler haben das nochmals erhöhte Angebot des Energiekonzerns Eon für den spanischen Versorger Endesa mit Wohlwollen aufgenommen. Obwohl Eon-Chef Wulf Bernotat noch einmal 4,5 Milliarden Euro draufgelegt hatte und nun 41 Milliarden Euro für Endesa zahlen will, verteuerte sich die Eon-Aktie am Montagmorgen um 1,8 Prozent auf den Rekordpreis von 111,80 Euro. Im Tagesverlauf drehte der Wert aber ins Minus und ging mit einem Abschlag von 0,4 Prozent aus dem Handel.

Die Leitung des spanischen Versorgers will am heutigen Dienstag über die Offerte beraten. Von den beiden Hauptaktionären werden unterschiedliche Reaktionen erwartet. Nach Berichten der spanischen Presse steht die Bank Caja Madrid, die knapp zehn Prozent an Endesa hält, dem Angebot aufgeschlossen gegenüber. Dagegen wollte sich der Baukonzern Acciona, der 21 Prozent hält, für die Unabhängigkeit stark machen. Durch die Übernahme entstünde der größte Energieversorger der Welt.

Bernotat versichert, dass sich Eon an dem Milliardendeal nicht überheben werde. Zusätzlich zu den Transaktionskosten müsste Eon für bis zu 26 Milliarden Euro Schulden geradestehen. Analysten sprachen von einer „Schmerzgrenze“, der sich Bernotat angenähert habe. Zu Beginn des Übernahmekampfes vor einem Jahr hatte der Dax-Konzern nur 25,40 Euro pro Aktie geboten und das Angebot dann schrittweise auf 38,75 Euro erhöht.

Ob und wie viel Kredite Eon im Erfolgsfall aufnehmen muss, ist offen, denn Eon will sich mit 50 Prozent plus einer Aktie an Endesa zufrieden geben. Die Kassen des deutschen Energieversorgers sind ohnehin gut gefüllt. Dank hoher Strom- und Gaspreise sprudeln die Gewinne.

„Eon finanziert das Endesa-Geschäft aus überhöhten Strom- und Gasrechnungen“, sagte Aribert Peters, Chef des Bundes der Energieverbraucher, dem Tagesspiegel. Der Konzern erschwere der Konkurrenz den Zugang zu seinen Netzen und halte so die Preise hoch. Eon weist die Vorwürfe zurück. Eine Fusion von Eon und Endesa verschärfe die Situation auch auf europäischer Ebene weiter, sagte Peters. „Es ist beängstigend, was sich dort für ein Konzern bildet.“

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